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Leyk: "Die Bundesliga setzt den Standard sehr gut um"

Veröffentlicht in Interviews

Toorschuss.de hat Chefredakteur Kevin Leyk zum Interview gebeten und mit ihm über das taktische Niveau der Hinrunde, Entwicklungen, Trainer und die Topspieler der ersten Saisonhälfte gesprochen. Teil 1.

Herr Leyk, die Bundesliga ist in der Winterpause. Zeit für ein Fazit: Wie hoch war das taktische Niveau in der Hinrunde?

"Sehr hoch. Es wird ja gerne kritisiert, dass in der Liga viel Einheitsbrei gespielt wird. Viel 4-4-2, viel Mittelfeldpressing, viele Mannorientierungen, viel Umschalten. Das  ist auch durchaus richtig. Die Teams, die gegen den Ball etwas anderes machen, kann man an einer Hand abzählen. Spontan würden mir Bayern, Dortmund und Ingolstadt einfallen, die sich in der defensiven Grundordnung wirklich dauerhaft vom Standard abheben. Allerdings darf man bei all der Kritik nicht vergessen, dass die Umsetzung dieser vermeintlich langweiligen Dinge beim Großteil der Vereine sehr gut ist. Irgendwo ist das auch ein Teufelskreis: Teams, die nur Ansätze im Ballbesitzspiel zeigen, kommen damit in der Regel nicht weit, weil das defensive Niveau in der Liga so hoch ist. Mir ist in dieser Saison häufiger aufgefallen, dass eigentlich ordentliche Ballbesitzideen im Nachhinein schlechter bewertet wurden, als sie es waren, weil sie eben dann im Mittelfeld oder spätestens im Angriffsdrittel verpufft sind."

Man kann aber doch schon sagen, dass viele Teams noch immer große Probleme haben, einen vernünftigen Spielaufbau aufs Parkett zu bringen, oder?

"Widersprechen würde ich dem in jedem Falle nicht. Auch hier: Die Teams, die wirklich klare und dauerhaft gute Strukturen im Ballbesitz haben, sind klar in der Minderheit. Bayern, Dortmund, Gladbach und mittlerweile auch Hertha. Wolfsburg ist auf dem Weg, hier etwas zu entwickeln. Dann gibt es eine Reihe an Teams, die sich in dieser Saison schon mehr mit dem eigenen Aufbau beschäftigt haben, aber eben nicht über die beschriebenen Ansätze hinausgekommen sind. Dazu würde ich in jedem Falle Mainz, Köln und Hamburg zählen. Vermutlich auch Leverkusen und Schalke, auch wenn der Maßstab aufgrund der Möglichkeiten noch einmal ein anderer ist. Zumindest für mich persönlich."

Wer hat sie in dieser Hinsicht am meisten überrascht?

"Dass Dortmund den Philosophiewechsel unter den schwierigen Umständen mit der Europa-League-Qualifikation während der laufenden Vorbereitung derart radikal und konsequent hinbekommen würde, war sicher nicht zu erwarten. Aber die größte Entwicklung im Ballbesitz hat natürlich die Hertha genommen. Ich finde es sogar ein bisschen schade, dass dies medial noch nicht besonders viel Anerkennung bekommt, sondern die Mannschaft eher über ihre Stabilität und ihre Chancenverwertung definiert wird."

Kann man Dardai damit unter den Trainern zu den absoluten Gewinnern zählen?

"Absolut. Ich muss gestehen, dass ich mich in dieser Saison zu einem kleinen Dardai-Fan entwickelt habe, ohne, dass ich sein Training und seinen Anteil an den taktischen Ideen im Detail kenne. Rainer Widmayer scheint in Berlin ja auch eine nicht unwesentliche Personalie zu sein. Dennoch: Dardai hat die taktisch vielleicht schwierigsten Schritte eines Trainers wohl am besten gemeistert: Zum einen hat er der Mannschaft - ähnlich wie Tuchel - eine völlig neue Spielidentität gegeben. Zum anderen hat er sich im Coaching oft sehr, sehr gut präsentiert. Man erinnere nur an das Spiel gegen Schalke, als er Baumjohannn plötzlich als falsche Neun eingesetzt und damit perfekt auf die Umstände, die rote Karte für Ibisevic, reagiert hat. Baumjohann machte die Bälle in sämtlichen Zonen fest, schaffte Verbindungen und brachte seine Dynamik im Umschaltspiel ein. Dardai hatte ohne Frage wirklich sehr gute In-Game-Momente. Aber auch Andre Schubert würde ich zu den Gewinnern zählen. Natürlich hat er vom Favre-Fundament gezehrt und profitiert. Wieso hätte er auch darauf verzichten sollen, die Sinne für gewisse Dinge wieder zu schärfen? Zumal trotzdem ganz, ganz viel Schubert in den jetzigen Fohlen steckt. Vor allem im Pressing und Gegenpressing, das unter Favre kaum gespielt wurde, aber auch im Ballbesitzverhalten. Dazu gefällt mir sein Coaching ebenfalls hervorragend. Abgesehen davon, dass er wie Dardai auch häufiger mal keinere Gegneranpassungen vorgenommen hat, die überwiegend auch Sinn gemacht haben."

Coaching-Korrekturen? Gegneranpassungen? Klingt nach Pep Guardiola.

"Vielleicht nach der Light-Version von Pep Guardiola (lacht). Nein, ich will solche Vergleiche gar nicht erst anfangen, damit kann man mich nicht locken. Guardiola ist hier natürlich die absolute Nummer eins, vielleicht sogar weltweit. Es gibt vermutlich keinen Trainer in den Topligen, der derart viele Siege durch seine In-Game-Korrekturen eingeleitet hat. Ich sage bewusst eingeleitet. Denn für die Umsetzung seiner Ideen sind am Ende - genau wie in allen anderen Fällen - natürlich die Spieler zuständig."

Gehen wir noch einmal einen Schritt weg von konkreten Personalien und halten es etwas allgemeiner: Was war in der Hinrunde aus taktischer Sicht neu? Womit war nicht unbedingt zu rechnen?

"Schwierige Frage, auf die mir spontan auch keine besonders tiefgreifende Antwort  einfällt. Vom Gedanken, dass es in dieser Saison taktische Revolutionen gab, müssen wir uns, denke ich, verabschieden. Eher gab es wohl ein paar neue Anreize, Tendenzen und Entwicklungen, beispielsweise, das Einrücken der Außenverteidiger, das Vorstoßen der Innen- oder Halbverteidiger oder das verstärkte Nutzen einer Torwartkette zum Schaffen von Überzahl im Spielaufbau. Neu ist das alles aber nicht."

Klingt nach einer eher langweiligen Hinrunde für Taktikfreaks ...

"Ich persönlich kann mich nicht nur daran erfreuen, komplett neue Dinge zu sehen, auch wenn das oft natürlich die Kirsche auf der Sahnetorte ist. Dann nämlich könnte ich mir wahrscheinlich 99 % aller Spiele sparen. Denn wie oft gibt es wirklich etwas völlig anderes, das noch kein Trainer zuvor gemacht hat? Mir macht es auch Spaß, Standardaspekte in guter Umsetzung zu sehen oder Besonderheiten im Detail herauszufiltern. Nehmen wir das Beispiel des vorstoßenden Halbverteidigers: Die Idee selbst mag zwar nicht neu sein, allerdings muss sie ja für dieses eine Spiel einen bestimmten Zweck haben. Sonst würde der Trainer sie nicht einsetzen. Dann frage ich mich: Wieso lässt er beispielsweise den rechten und nicht den linken Verteidiger aufrücken? Einfach nur, weil er der spielstärkere der beiden ist oder weil der Gegner vielleicht in bestimmten Räumen Schwächen hat? Viele Entscheidungen der Trainer sind spielspezifisch. Das macht häufig den Reiz aus. Interessant sind natürlich auch die Spiele, nachdem sich taktische Probleme offenbart haben. Bei Armin Veh war es für mich beispielsweise extrem spannend zu beobachten, wie er mit der Meier-Problematik, die sich im Laufe der Hinrunde herauskristallisiert hat, umgegangen ist. Insofern kam für mich eigentlich nie Langeweile auf. Es gab immer wieder Dinge, die gut geklappt haben und Dinge, die nicht funktioniert haben, auf die dann Antworten gefunden werden mussten."

Wer war Ihr Spieler der Hinrunde?

"Das muss man immer in einem größeren Kontext und natürlich auch positionsspezifisch sehen. Aber um mal ein wenig aus der Reihe zu tanzen: Per Skjelbred war für mich einer der besten Spieler der Hinrunde und ist in meinen Augen noch immer einer der unterschätztesten Spieler der Liga. Wird Zeit, dass wir uns da mal an eine Analyse wagen (lacht)."

Also faszinieren Sie nicht in erster Linie die Costas, Aubameyang, Lewandowskis dieser Welt?

"Doch, natürlich. Allerdings gibt es viele Spieler, die nicht so im Fokus stehen, nicht ganz so spektakulär spielen, aber für die Struktur ihrer Mannschaft unglaublich wichtig sind. Busquets oder Weigl sind ebenfalls solche Spieler, stehen aus unterschiedlichen Gründen aber mehr im Rampenlicht. Von daher wollte ich einfach mal eine Lanze für Skjelbred brechen - ohne die Leistungen von Costa oder Aubameyang schmälern zu wollen. Es gab in der Hinrunde tatsächlich viele fantastische Spieler. Den oder die Besten zu ermitteln, ist aber extrem schwer, weil man dafür verschiedene - zum Teil subjektive - Bewertungskriterien heranführen müsste. Wählen wir nun den kreativsten, spielintelligentesten, passstärksten oder effektivsten Spieler?"

Teil zwei folgt. 

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