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Kolumne: Frag den Mehmet: Scholl erklärt uns die Welt

Veröffentlicht in Kolumnen

Es war die Schlagzeile des letzten Wochenendes, die die ganze Taktik-Szene in Aufregung versetzt hat: Mehmet Scholl schießt gegen die Laptop-Trainer! Der Inhalt seiner Aussagen im 'Spiegel' kurz zusammengefasst: Sie hätten keine Ahnung, wie ein Profi tickt, seien - frei nach van Gaal übersetzt - "Papageien" mit dem typischen Kursbestergesicht und würden Taktik überhöhen, während er - der unterschätzte Retter einer gesamten Trainergeneration - alles anders machen würde als sie. Unabhängig von der Frage, ob die Klassenstreber um Alexander Zorniger & Co. Herrn Scholl während der gemeinsamen Fußball-Lehrer-Ausbildung nun das Pausenbrot - oder später eben den Bundesliga-Job - geklaut haben: Was ist dran an der Kritik des ehemaligen Starcoaches der Bayern-Amateure, des Trainer-Messias, der eierlegenden Wollmichsau?

Zunächst einmal ein kurzes Zitat Scholls zu Ex-Bondscoach Louis van Gaal während der WM 2014, die die Niederlande auf einem fürchterlichen dritten Rang beendet hat: "Van Gaal wollte zeigen, dass er nicht nur den Fußball-Keks, sondern den allergrößten Fußball-Keks gegessen hat." Dann könne es schon einmal vorkommen, "dass ein Trainer das ganz große Ding drehen will und das kommt dann als Bumerang zurück." Was ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen möchte: Van Gaal hat gewiss kein Kursbestergesicht, trotzdem hätte Scholl natürlich auch hier alles anders und besser gemacht. Er hätte die Niederlande ungefährdet zum Weltmeistertitel geführt, den elften Mann im Finale wegen seines hohen Gerechtigkeitsinns und zwecks Chancengleichheit auf der Bank gelassen und uns den Fußball so präsentiert, wie er eben ist: Einfach. Frei nach dem Motto "Geht´s raus und spielt´s Fußball'.

Von Taktik hält Scholl nicht viel. Sie ist das Böse, das dem Fußball seine Seele raubt. Sie frisst ihn von innen auf - und alle schauen zu. Immerhin: Mit Oliver Kahn dürfte Scholl einen prominenten Verbündeten haben, der das ganze Taktik-Geschwafel ebenfalls nicht mehr hören kann. Viel mehr als Taktiktafeln und Laptops bräuchte es in der heutigen Zeit doch Leitwölfe und Eier. Was wäre, wenn plötzlich der Strom ausfallen würde? Würde die heutige Trainergeneration dann verzweifelt DFB-Chefausbilder Frank Wormuth nach Rat fragen? Eine eigene Meinung und eigene Ideen haben sie ja schließlich nicht. Ah, Moment, da war ja was! An dieser Stelle darf ich Wormuth zitieren: "Ich wundere mich ein wenig über die Aussagen von Mehmet, denn vor nicht allzu langer Zeit war er einmal bei uns externer Referent. Er hat dabei auch unsere Ausbildung in höchsten Tönen gelobt." Während der 54-Jährige also über die Kritik des Ex-Profis rätselt, zeigte sich einer der besten Torhüter aller Zeiten, kein geringerer Manuel Neuer, mit den Methoden von Pep Guardiola und Joachim Löw zufrieden: "Es ist ein klarer Vorteil, wenn sich ein Trainer auf den Gegner einstellt. Deswegen sind wir als Spieler für jede Information dankbar, die Spieler sind hungrig und wollen wissen, wie sie agieren sollen. Wir sind immer top vorbereitet beim FC Bayern und bei der Nationalmannschaft. Da finden auch Dinge am Laptop statt."

An diesem Punkt möchte ich für Scholl aber doch einmal eine Lanze brechen. Gewissermaßen hat er Recht, wenn er behauptet, dass in der Liga viel taktischer Einheitsbrei herrscht. Flügelangriffe und Flanken, deren Effizienz fragwürdig ist, prägen nicht erst seit gestern das Bild zahlreicher Bundesliga-Teams. Ein wenig mehr spielkuturelle Variabilität, auch mehr Offenheit für Trainer aus dem Ausland (aber bitte mit taktischer Handschrift!) würde uns vielleicht gut tun. Abschließen möchte ich die Kolumne dieses Mal mit drei Fragen, die mich in den nächsten Tagen wohl noch intensiv beschäftigen werden: Was hält Scholl von meinen Vorschlägen? Was würde er anders machen? Und: Hat er sein Pausenbrot eigentlich jemals wiederbekommen?

Kevin Leyk, Chefredakteur

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