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Hate, Dogmen und Schubladen

Veröffentlicht in Kolumnen

Lange Zeit war das Gesicht der Liga vom ewigen Duell zwischen den Ballbesitz-Hassern und den vermeintlichen Ballbesitz-Dogmatikern geprägt. Michael Frontzeck, Martin Schmidt und Markus Gisdol verteidigen in diesen Tagen die eine Seite, Pep Guardiola und Armin Veh stehen (standen) auf der anderen. Nun zeigt sich: Der Flexibelste gewinnt.

Jede Mannschaft braucht nach dem Ende einer Saison neue Reize, um auch im Folgejahr ähnlich erfolgreich (oder überhaupt mal wieder erfolgreich) spielen zu können. Nicht nur personeller Art, sondern auch taktischer. Hertha BSC und der 1. FC Köln haben nicht nur die Gemeinsamkeit, dass sie jahrelang nicht viel aus ihren Standortvorteilen gemacht haben, sondern auch, dass sie sich derzeit auf den richtigen Pfaden zu bewegen scheinen (an dieser Stelle folgt ein Gruß aus Dortmund bzw. Frankfurt). Sie haben sich in der letzten Saison auf Stabilität fokussiert, auf ein funktionierendes Defensivkonzept gesetzt, um nach Balleroberung vereinzelt ihre Offensive auf die Reise nach Jerusalem (so weit war der Weg von der Balleroberung zum gegnerischen Tor häufig gefühlt) zu schicken. Nun haben sich beide in den Kopf gesetzt, ihr Ballbesitzspiel zu verbessern. An dieser Stelle gilt ihren Trainern Pal Dardai bzw. Peter Stöger ein Lob, die bereits mit einem Bein aus der Schublade der Ballbesitz-Hasser geklettert sind, mit dem anderen in der der flexiblen Konzepttrainer stehen. Aber Achtung: Der Türsteher kontrolliert derzeit noch ihre Klubausweise.

Anders sind die Fälle Frontzeck, Schmidt und Gisdol gelagert. Das Trio scheint sich in der dunkelsten Ecke ihrer Schublade vergraben zu haben, sich in ihr pudelwohl zu fühlen. Vielleicht haben sie sich ja auch gedacht: Wozu das Spiel um neue Facetten bereichern, wenn Plan A nicht einmal voll greift? Immerhin: Mainz kommt seinem Wir-haten-Ballbesitz-dafür-sind-wir-konterstark-Ideal immer näher. Gut möglich, dass hinter all dem auch nur ein äußert ausgeklügelter Marketing-Plan steckt und die Werbeplakate am Bruchweg bald tatsächlich den beschriebenen Namen tragen. Perfekte Symbiose aus PR und Tagesgeschäft. Mit Stolz und Leidenschaft gemacht. Bis 2018 natürlich.

Aber zurück zum Thema: Mit Pep Guardiola und Thomas Tuchel hat die Liga zurzeit zwei echte Exoten, mit Armin Veh einen, der einer werden will. Ihre Teams können sowohl kontern als auch Ballbesitz spielen. Der in beiden Städten erwartete Entwicklungsschritt ist erfolgt, ihre Schublade goldverziert. Und Veh? Der mag eigentlich keine absichtlichen Fehlpässe und Umschaltrainer, findet es aber okay, dass seine Mannschaft plötzlich Kontertore macht. Dogma sieht anders aus. Aktuell deutet nicht wenig darauf hin, dass er Guardiola und Tuchel bald Gesellschaft leisten darf und Lucien Favre im gleichen Zuge gekonnt in den luftleeren Raum katapultiert. Für die aktuelle Borussia wurde schließlich noch keine Schublade entworfen. Denn irgendwie kann sie zurzeit nichts so wirklich.

Übrigens: Bei den Laptop-Trainern würde sich Alexander Zorniger über Gesellschaft freuen. 47 Jahre, m, mutig, pflichtbewusst, Kursbestergesicht. Bisher hat sich auf die nette Kontaktanzeige hin jedoch noch niemand gemeldet. Kein Wunder, schließlich fährt die Anti-Taktik-Fraktion um Scholl, Kovac und Kahn schweres Geschütz auf und schießt ohne Waffenschein wild um sich. Um an dieser Stelle einen Kreis zu schließen: Einen gültigen Klubausweis haben sie auch alle nicht (mehr).

Kevin Leyk, Chefredakteur

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