{{#image}}
{{/image}}
{{text}} {{subtext}}


Flotte Aufsteiger & gereizte Traditionsklubs

Veröffentlicht in Kolumnen

Es ist eine Tendenz, die sich während der ersten fünf Spiele abzeichnet, mit der wohl nur die wenigstens vor Saisonbeginn gerechnet hätten. Während der vermeintlich böse Audi-Kommerzklub Ingolstadt durch mutigen Umschaltfußball (und ein paar ganz nette Endphasentore) ligaweit mehr und mehr an Sympathien gewinnt, geht die Entwicklung beim im Sommer noch frenetisch gefeierten SV Darmstadt in eine andere Richtung.

Neben der Tatsache, dass beide Klubs im Sommer aufgestiegen sind, gleichen sie sich noch in einem weiteren Aspekt: Die Stile beider Teams können gut und gerne mit der Eigenschaft 'flott' beschrieben werden. Ingolstadt ist flott auf den Beinen, Darmstadt flott auf dem Boden. Zumindest wenn man in den einschlägig bekannten Fanforen mitliest, wird einem dieses Bild schnell vor Augen geführt. Die Statistik zeigt zumindest, dass in dieser doch fragwürdigen These ein kleiner Funken Wahrheit steckt: Ingolstadt sprintete an den ersten fünf Spieltagen tatsächlich überdurchschnittlich oft, Darmstadt wurde in Relation zum Ballbesitz häufiger gefoult als das Gros der Liga. Was für viele das Resultat unsportlicher Schauspielerei sein mag, könnte gleichermaßen das Ergebnis der Spielphilosophie der Lilien sein. Wer sich übermäßig oft in Zweikämpfe begibt, und mit Heller auch noch einen unsteuerbaren Ferrari auf seiner Außenbahn hat, läuft eben auch Gefahr (und provoziert es damit), häufig 'flott am Boden' zu liegen. Letztlich mag jeder dazu seine ganz persönliche Meinung haben, dennoch sei die Frage erlaubt: Wäre Darmstadt sympathischer, wenn die Mannschaft spielerische Lösungen suchen, aber abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz stehen würde? In Gladbach, Stuttgart und Leverkusen vielleicht. Beim Rest der Liga eher nicht.

Während beide Aufsteiger also auf ihre Weise polarisieren, liegen bei den Traditionsklubs aus Mönchengladbach, Stuttgart, Hannover und Hoffenheim (An dieser Stelle bitte einen Blick auf das Gründungsdatum werfen) die Nerven blank. Lucien Favre hat sich bei all dem Stress schon einmal vorsorglich verabschiedet, Alexander Zorniger hätte Sebastian Hellmann am liebsten schon vor dem Spiel aufgefressen als wäre er Mehmet Scholl und in Hannover sucht Martin Kind sicherlich schon nach der Telefonnummer von Peter Neururer. Und Hoffenheim? Dietmar Hopp hat - frei nach Bas Dost übersetzt - seit drei Tagen nicht mehr lecker geschlafen. Immerhin findet sich Markus Gisdol samt Spielidee noch immer ziemlich lässig. Bei all der Negativität und Gereiztheit im Tabellenkeller vielleicht auch keine ganz schlechte Wahl.

Kevin Leyk, Chefredakteur

Zurück