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Der Wir-passen-uns-an-Trend

Veröffentlicht in Kolumnen

Es war mal wieder ein kurioser Bundesliga-Spieltag. Stuttgart dominiert und verliert, Wolfsburg patzt, Darmstadt punktet in Dortmund und Markus Gisdol und Michael Frontzeck treffen richtige Entscheidungen. Interessant ist vor allem der Trend, dass immer mehr Coaches auf gezielte taktische Anpassungen an den jeweiligen Gegner setzen. Sogar Roger Schmidt hat´s mittlerweile erwischt.

Der Leverkusener Erfolgscoach hat sein 4-2-4-Pressing-Dogma im Sinne der Stabilität zu den Akten gelegt und die Defensivstruktur mit Blick auf die Aufbauschwächen von Mainz und Bremen angepasst. Denn gegen Gegner, die ohnehin nur lange Bälle schlagen (wollen), braucht es keine drei bis vier Pressingspieler in vorderster Linie, die eben diese provozieren.

Noch etwas spektakulärer war indes der Auftritt von Darmstadts Dirk Schuster in Dortmund. Der Aufstiegstrainer stand vor einer schwierigen Aufgabe: Wie reagiert man darauf, dass der BVB sich in den linken Halbraum verliebt hat? Genau, man ernennt Jan Rosenthal zum Halbraum-Türsteher und blockiert genau diesen.

Wer die Einfachheit und Effizienz der Schuster'schen Anpassungen zu schätzen weiß, der könnte schnell mit der These aufwarten, dass Pep Guardiola so langsam Konkurrenz bekommt. Dass der Katalane sein Team Woche für Woche spezifisch auf den nächsten Gegner einstellt, ist allseits bekannt. Dass seine Ideen und Umstellungen in dieser Spielzeit frühestens in der zweiten Halbzeit greifen, jedoch auch. So war es auch gegen Mainz. Immerhin ließ er Coman damit aufblühen. Bei 17 anderen Bundesliga-Klubs und in Turin sorgt das für schlaflose Nächte.

Blieben noch Michael Frontzeck und Markus Gisdol, die bisher mehr als Pseudo-Taktikfüchse denn als Matchplan-Riesen aufgefallen sind, um es mal in Superlativen auszudrücken. Ihr Gedankengang könnte in etwa derselbe gewesen sein: 'Wenn ich es schon nicht schaffe, für mein Team ein vernünftiges Konzept zu entwickeln, nehme ich dem Gegner wenigstens seine Stärken und stelle seinen wichtigsten Aufbauspieler zu." Getroffen hat es dann Max Kruse und Daniel Baier. Belohnt wurde die überaus geniale und unheimlich tiefgehende Coaching-Leistung im Falle von Frontzeck mit einem Punkt, im Falle von Gisdol gar mit drei Zählern.

Für Alexander Zorniger habe ich in dieser Woche leider kein Foto. Wer trotz dominanter Leistung wieder verliert, keine Konstanz ins Gegenpressing bekommt und anschließend einzelne Spieler demontiert ("Da brauch mir jetzt keiner mit Georg Niedermeier kommen"), der verdient es nicht, für seine - zugegeben intelligente - Anpassung gewürdigt zu werden.

Kevin Leyk, Chefredakteur

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