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Löw macht Hector zum neuen Schmelzer [Kolumne]

Veröffentlicht in Kolumnen

Nach Georgien ist vor Frankreich. Zumindest fast. Ein gutes Dreivierteljahr vor der Europameisterschaft scheint die deutsche Nationalmannschaft so viele Baustellen zu haben wie seit langem nicht mehr. Zugegeben: Dieses Gefühl kommt wohl vor jedem großen Turnier auf. Dieses Mal hat Bundestrainer Joachim Löw seine Finger hier aber persönlich in der Nase und im Spiel. Jonas Hector scheint indes zum neuen Marcel Schmelzer zu werden. Linksverteidiger haben es in Deutschland einfach nicht leicht.

Gerade bei großen Events wie Länderspielen, bei denen fast das ganze Land zuschaut, ist es immer wieder witzig, wie weit die Spiel- und Spielerbeurteilungen auseinandergehen. Hat sich jedoch erst einmal eine Meinung verbreitet, ist sie nicht mehr aufzuhalten wie die Flüchtlingswelle. Dieses Mal hat es die beiden sympathischen Außenverteidiger Jonas Hector und Matthias Ginter erwischt. Auch dank Bundestrainer Löw. Nach der Partie hatte unser Weltmeistercoach zur Ausbildung des Duos gesagt: "Wir spielen zu früh in die Mitte. Ich kann das den Außenverteidigern aber nicht zum Vorwurf machen, weil sie es von den Vereinen nicht kennen. Da fehlt die Schulung." Ich habe nur noch darauf gewartet, dass Löw noch erklären würde, dass es zu den Beiden jedoch nicht viele Alternativen gäbe und er deshalb in den nächsten zwei, drei, vier, fünf Monaten mit ihnen weiterarbeiten werde. Schließlich könne er sich ja auch keinen besseren Spieler schnitzen. Löw und die Außenverteidiger: Eine Liebesgeschichte wird das sicherlich nicht mehr.

Dabei standen Hector und Ginter objektiv betrachtet gegen Georgien vor einer ziemlich schwierigen Aufgabe. Der Gegner stellte in letzter Linie eine Fünferkette, die - um es mal wieder mit einem politischen Vergleich zu versuchen - ähnlich stabil war wie einst die ostdeutsche Grenze. Flanken? Wenig vielversprechend. Direkte Verbindungen? Kaum vorhanden. Durchdribbeln? Eher ein Auftrag für Messi. Das Kuriose: Hätten unsere beiden Außenverteidiger sich für die viel geforderten Flankenläufe bis zur Grundlinie entschieden, wären sie medial wohl für ihre schlechten Hereingaben geschlachtet worden. Dass die Chancen auf Erfolg dabei unter den gegebenen Umständen von Beginn an mehr als gering waren, hätte dann wohl keine Rolle gespielt. Na gut, ich will bei der Wahrheit bleiben: Es wäre gar nicht wahrgenommen worden.

Wo wir schon beim Thema Ehrlichkeit sind: Ob Löws Nase nach seinem Auftritt im RTL-Studio gewachsen ist? Und nein: Das soll keine Anspielung auf seine permanenten Popelattacken während der Länderspiele sein. Vielmehr geht es um die Aussage, dass seiner Meinung nach viel zu schnell in die Mitte gespielt worden sei. Die Offensivbewegungen deuten darauf hin, dass Jogi hier vielleicht ein wenig geflunkert hat. Denn: Wer das Zentrum so massiv überlädt und die Flügelspieler allein auf weiter Flur lässt, kann es eigentlich nicht zum Ziel haben, den Ball noch länger auf der Flanke zu halten.

Aber wie dem auch sei, es hilft ja alles nichts: Die Quali ist geschafft, ich freue mich auf Frankreich. Und die hohe Qualität einer Europameisterschaft. Österreich, Albanien, Nordirland und Wales warten schon auf uns. Und Jonas Hector, der bis dahin ja noch ein bisschen Flanken gegen Fünferketten üben kann.

Kevin Leyk, Chefredakteur

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