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Die zehn Trainer-Gebote [Jubiläumsausgabe]

Veröffentlicht in Kolumnen

Die Toorschuss.de-Kolumne feiert ihr erstes kleines Jubiläum. In neun Ausgaben haben wir nun schon die Dramen und Entwicklungen des Fußball-Alltags auseinandergepflückt. Mal mit dem Schwerpunkt auf einzelnen Klubs oder Trainern, mal in einem ganzheitlichen Ansatz. Pünktlich zur zehnten Ausgabe dieser Reihe hat das gesamte Team seine 10 Trainer-Gebote niedergeschrieben. Ob sie es verdient haben, in die Reihe der heiligen Schriften aufgenommen zu werden und euch zu neuen Erfolgen verhelfen werden?

1. Trainer-Gebot: Coachingintensität muss gut dosiert sein

In der Trainerlehre wird davor gewarnt, mit zu starken Instruktionen zu arbeiten. Sie geben den Spielern einen klaren Handlungsauftrag mit, was sie jedoch in ihrer Kreativität beschränken und dazu führen könnte, dass der Blick für den Gesamtkontext verloren geht. Außerdem gilt es laut DFB, für den Moment passend - entweder emotional bzw. aufgabenbezogen - zu coachen. Ein Patentrezept oder eine Lösung, die für alle Situationen greift, gibt es also nicht. Ein wildgewordener Peter Neururer wird an der Seitenlinie folglich nicht unbedingt mehr Coaching-Erfolge verbuchen als ein Jens Keller, dessen Mimik in etwa so wandelbar ist wie die der Mona Lisa. Vielmehr ist es die Kunst, die Intensität und das Ziel des Coachings immer wieder verändern zu können. Martin Schmidt hat das nach seiner ersten Woche als Mainzer Cheftrainer nett zusammengefasst: "Rumschreien kann helfen, aber irgendwann müssen auf Inhalte kommen."

2. Trainer-Gebot: Es sei denn, du heißt Pep Guardiola

Dann nämlich kannst du 90 Minuten wie ein aufgescheuchter Kolibri 90 Minuten an der Seitenlinie rumhampeln als gäbe es kein Morgen mehr. Weil du es schaffst, die emotionale Ebene mit der aufgabenbezogenen zu vereinen. Weil die Spieler von deinen taktischen Ideen überzeugt sind, und sie umsetzen werden. Weil du deine fehlenden Deutschkenntnisse durch wildes, aber hochqualifiziertes Rumgefuchtel kompensieren kannst. In allen anderen Fällen wird dringlichst empfohlen, sich an Gebot eins zu richten.

3. Trainer-Gebot: Festige Automatismen

Viele Trainer fordern gleich zu ihrem Amtsamtritt oder nach den ersten Saisonspielen Zeit ein. Das kann drei verschiedene Ursachen haben. Entweder, sie gehen ohnehin davon aus, dass sie keinen Erfolg haben werden, aber sich mit dieser Aussage zumindest ein wenig länger im Amt halten können. Schließlich haben sie dann ja von Beginn an klargestellt, dass Geduld gefordert ist. Oder sie brauchen schnellstmöglich eine Ausrede, um den verpatzen Saisonstart begründen zu können, ohne sich Fehler eingestehen zu müssen. Der dritte (und am selten auftretenste) Fall ist, dass sie tatsächlich Zeit benötigen, um ein neues System einzustudieren, der Mannschaft ihre Strategie zu übermitteln. Letztlich ist das eine Aufgabe, die im Training nur durch das Zusammenwirken zahlreicher Faktoren (u.a. Taktik, Technik, Mentalität und Kondition) erfüllt werden kann.

Grundsätzlich empfiehlt es sich - insbesondere bei Übernahme einer neuen Mannschaft - Dinge immer wieder einzustudieren, ohne sie einzuschleifen. Permanente Wechsel der Formation und des Systems oder sogar der übergeordneten Strategie können eine Mannschaft verunsichern und ein erfolgreiches Zusammenspiel der genannten Aspekte schwierig bis unmöglich machen. Übrigens: Zu welchen der drei beschriebenen Trainertypen Michael Frontzeck und Alexander Zorniger wohl gehören?

4. Trainer-Gebot: Es sei denn, du heißt Pep Guardiola

Dann nämlich profitierst du bei deinen Trainerstationen jeweils davon, dass die Mannschaft schon eine klare Philosophie besitzt, auf der du aufbauen kannst. Zudem ist das Potenzial deiner Mannschaft und ihr taktisches Verständnis derart hoch, dass sie ungeplante Raumbesetzungen selbst innerhalb eines Spiels im Schlaf umsetzen kann. Du hast damit alle Möglichkeiten, gegnerische Systeme auszuhebeln und vermeintliche Dogmen zu durchbrechen. Auch wenn dies vielleicht dazu führt, dass du Woche für Woche die Grundordnung umwirfst, deine Spieler sich permanent in neuen Räumen zurechtfinden müssen, in der sie in 15 Profijahren noch nicht gelandet sind oder dir verbitterte Ex-Profis vorwerfen, dass du dein Team durcheinander bringst.

5. Trainer-Gebot: Oder Thomas Tuchel, während du dich unterlegen fühlst

Na gut, das dritte Gebot wird auch noch in einem zweiteren Fall außer Kraft gesetzt. Allerdings ausschließlich, wenn du einen vermeintlich schwachen Bundesligisten trainierst, der selbst mit einstudierten Automatismen Schwierigkeiten hätte, im Fußball-Oberhaus zu bestehen. Dann nämlich musst du diese vergessen, und dich darauf spezialisieren, dem Gegner durch gezielte Anpassungen seine Qualität zu nehmen. Auch das kann dazu führen, dass du Woche für Woche die Grundordnung umwirfst, deine Spieler sich permanent in neuen Räumen zurechtfinden müssen, in der sie in 15 Profijahren noch nicht gelandet sind oder dir verbitterte Ex-Profis vorwerfen, dass du dein Team durcheinander bringst.

Heißt du Thomas Tuchel, trainerst aber den aktuellen Tabellenzweiten, gilt es allerdings Gebot drei zu beachten. Warum das so ist, hat der achte Spieltag bewiesen, als ein hochgeschätzter Mann mit den Initialien TT auf einen gewissen Herrn Guardiola traf.

6. Trainer-Gebot: Wechsle bei Rückstand nicht zwangweise einen Stürmer ein

Na klar: Wenn es einen Rückstand aufzuholen gilt, braucht es mehr Offensivpräsenz - oder etwa doch nicht? Vielleicht reibt bei diesem Gebot der eine oder andere Fußball-Trainer verwundert die Augen. An dieser Stelle gehen unsere Grüße ins schöne Niedersachsen.

Fehlende Abschlussgelegenheiten haben in vielen Fällen nichts mit der Qualität oder der zu geringen Präsenz eines Stürmers zu tun. Oft sind schwache Verbindungen auf dem Weg in die Angriffszone der Hauptgrund für den Mangel an Torchancen. In dem Fall einen Stürmer einzuwechseln und einen Mittelfeldspieler aus dem Spiel zu nehmen, kann die Probleme in der Angriffsentwicklung unter Umständen sogar noch einmal verstärken. Die Folge dessen sind meist nicht mehr Torchancen, sondern haufenweise planlose lange Bälle auf die Stürmer, die sich dann in unverbundenen Situationen gegen eine Betonabwehr durchsetzen müssen. Im schlimmsten Falle gelingt ihnen das dann nicht und es hagelt Kritik in den renommierten Sportfachzeitschriften dieses Landes.

7. Trainer-Gebot: Es sei denn, du heißt Pep Guardiola

Zugegeben: Es ist wohl eines der wenigen Taktik-Gebote, die Pep Guardiola noch nicht gebrochen hat. Zumindest können wir uns (glücklicherweise) an kein Spiel erinnern, in dem er so gehandelt hat. Doch selbst wenn er dies eines Tages tun würde: Es hätte mit Sicherheit Erfolg.

8. Trainer-Gebot: Sei niemals stolz auf deine Mannschaft, wenn sie 6:0 verloren hat

Wenn wir uns dazu entschlossen hätten, die Trainergebote schon am Samstag zu veröffentlichen, hätten wir Viktor Skripnik vielleicht eine Menge Ärger ersparen können. Weil uns dann allerdings ein passendes Zitat des sympathischen Ukrainers für unsere Kritik an der Werder-Taktik gefehlt hätte, haben wir uns gemeinerweise dann doch für die Veröffentlichung am heutigen Montag entschieden.

Aus taktik-psychologischer Sicht sollte Skripniks Aussage wohl bewirken, dass die Mannschaft ihre realistische Selbstwahrnehmung wegen des Negativerlebnisses in Wolfsburg nicht verliert. Nun wird jedoch daran gezweifelt, ob Skripnik diese wirklich noch hat. Eine unschöne Situation. Deshalb bleibt wohl festzuhalten, dass man nach einer 0:6-Niederlage nur stolz auf seine Mannschaft sein kann, wenn man...Okay, in dem Fall bleibt wohl selbst die Sonderregelung für Pep Guardiola aus.

9. Trainer-Gebot: Wechsle nicht nach 30 Minuten, einen 18-Jährigen nicht ein und aus und nicht dreimal zur Halbzeit, wenn das Selbstvertrauen deiner Spieler schon im Keller ist

Bitte durchlesen, Herr Zorniger.

10. Nimm die Gebote nicht für bare Münze, aber verstehe ihre Intention

Das vielleicht wichtigste Gebot.

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