Werder Bremen vs. Darmstadt 98 (Vorbericht)

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Bremen gegen Darmstadt: Spielstärke klingt anders. Für beide Teams geht es in dieser Spielzeit vermutlich bis zum Schluss allein ums Überleben. Gerade für Werder ist ein Sieg eigentlich Pflicht: Der Vorsprung auf Platz 17 beträgt nur zwei Zähler, nur mit einem Dreier hat man die Chance, den Relegationsrang zu verlassen. Darmstadt steht momentan vier Punkte vor dem SVW, könnte sich mit einem Erfolg also durchaus ein wenig von den Abstiegsplätzen absetzen.

Ein Fußball-Fest sollten die Zuschauer im Weserstadion am Samstag eher nicht erwarten. Viktor Skripnik hat bereits angekündigt, dass seine Mannschaft das Spiel vorrangig über Kampf und Intensität für sich entscheiden müsse. Nicht unwahrscheinlich, dass Bremen sogar gewissermaßen ein recht hektisches Spiel inszenieren, so verhindern will, dass Darmstadt sich dauerhaft in sein passives 4-4-2/6-2-2-Mittelfeldpressing zurückziehen kann. Ob das aber die passende Strategie sein wird, um die Lilien zu knacken, bleibt abzuwarten.

Schon gegen Ingolstadt arbeitete Werder viel mit langen Bällen, was in Anbetracht des extremen Schanzer-Pressings natürlich nachzuvollziehen war. Allerdings zeigte sich dabei auch, dass eine solche Verhaltensweise im Ballbesitz nicht unbedingt auf das Spielermaterial zugeschnitten ist. Ujah ist sicherlich ein hervorragender Zielspieler, dürfte mit Sulu aber einen nicht weniger physisch starken Gegenspieler an die Seite gestellt bekommen. Ob der Nigerianer in Luftkämpfen also den entscheiden Vorteil haben wird? Ein Problem in der Vorwoche war, dass Pizarros Zurückfallen ins Mittelfeld durch die weiten Schläge grundsätzlich überspielt wurde und der Peruaner kaum ins Spiel fand. Wenn Skripnik Darmstadt also partout nicht spielerisch bezwingen will, könnte es eine Möglichkeit sein, Pizarro konstanter in die Angriffszone zu befördern - oder sein Abkippen gegen die Mannorientierung des SVD zumindest gezielt zum Öffnen der Schnittstellen zu nutzen. Vor allem Bartels könnte diese von der rechten Seite aggressiv anlaufen. Jedoch würde dies - womöglich auch der generelle Fokus auf lange Bälle - auch ein enormes Risiko birgen.

Schließlich sollte Darmstadt nicht nur besser auf den Kampf um den zweiten Ball vorbereitet sein: Diagonale Läufe der Flügel dürften auch die Konterabsicherung schwächen und dem Aufsteiger nach Ballgewinn die Möglichkeit geben, wie gewünscht über die Flügelräume nach vorne zu preschen.

Insofern könnte es für die Skripnik-Elf unter Umständen sogar lohnenswerter sein, sich an die Herausforderung zu wagen, Darmstadts Defensivordnung spielerisch zu knacken. Auch hier wäre es allerdings die vielleicht größte Aufgabe, eine passende Balance in den Staffelung zu schaffen, um nicht Opfer der gegnerischen Konter zu werden. Die Außenverteidiger könnten beispielsweise aufrücken und Darmstadts Flügelspieler damit nach hinten locken, würden damit aber auch die Anfälligkeit im Umschaltmoment erhöhen. Die Chance wäre, auf diese Weise die Breitenstaffelung der Gäste im Mittelfeld zu schwächen, dies beispielsweise mit schnellen Halbraumverlagerungen zu bespielen. Was aber deutlich wird: Ein leichtes Spiel steht den Nordlichtern nicht bevor. So oder so: Die Partie dürfte ein Ritt auf der Rasierklinge werden. Für welche Strategie sich Skripnik letztlich auch entscheiden mag. Die spielerische Variante hätte zumindest den Vorteil, dass man das Spielgerät bei Verbindungsproblemen und fehlenden Lösungen im zweiten und dritten Drittel anders als gegen Ingolstadt vermutlich ohne Gegnerdruck in der Verteidigung halten könnte.

Fazit

Ob das Spiel letztlich ein offener Schlagabtausch oder doch Einbahnstraßenfußball mit irren Werder-Ballbesitzwerten wird, sollte allein von der Bremer Taktik abhängen. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Grundsätzlich dürfte Darmstadt aber gut auf mögliche lange Bälle der Grün-Weißen vorbereitet sein, zumal die Mannen von Viktor Skripnik vergangene Woche auch nicht gerade mit ihren Staffelungen im Kampf um den zweiten Ball punkten konnten. Tipp: 1:2.

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