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Gonzalo Castro - der Querdenker im deutschen Fußball

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Gonzalo Castro ist wohl einer der flexibelsten, aber auch meinungsstärksten Spieler in der Bundesliga. Ob Abwehr, Mittelfeld oder Angriff - der Leverkusener hat alle Positionen schon auf hohem Niveau bekleidet. Dass er sich seit einigen Jahren partout dagegen wehrt, auf der Rechtsverteidigerposition zu agieren, könnte man als persönliche Eitelkeit abtun. Doch es deutet vielmehr darauf hin, dass der Deutsch-Spanier klare Vorstellungen in Bezug auf seine Karriereplanung hat.

Der Positionsaspekt ist dabei nur ein Teil der Gedanken. Vor allem dürfte es Castro darum gehen, seine Stärken ideal in das Mannschaftsgefüge integrieren zu können, sich nicht durch eine möglicherweise suboptimale Positionierung in seinem vielseitigen Fähigkeitenrepertouire zu begrenzen.

Denn die Anforderungen am Flügel sind grundlegend andere als die auf seiner bevorzugten Position im Zentrum. Durch die seitliche Begrenzung des Spielfelds ist das Sichtfeld sowie die Entscheidungsvielfalt eines Spielers stark eingeschränkt. Statt der acht Handlungsoptionen (horizontal links/rechts, vertikal oben/unten, diagonal links oben/unten und rechts oben/unten) gibt es auf dieser Spielposition grundsätzlich nur fünf (horizontal links, vertikal oben/unten, diagonal links unten/oben). Die Feldbegrenzung nimmt Castro folglich ein Stück weit seine größte Stärke: Die Lösungsfindung und die strategische Spielumleitung unterstützt von seiner technischen Klasse und Spielintelligenz. Zudem kann er aus dem Zentrum heraus deutlich häufiger und passender in die Zirkulationsprozesse eingebunden werden. Die ausbalancierende Spieleinwände Castros sind einer der Hauptgründe, weshalb der Spielstil von Bayer Leverkusen sich derart gewandelt hat. Statt strategischem Chaos heißt es nun deutlich rhythmischer in Angriffsszenarien überzugehen, diese wesentlich dosierter und infolgedessen zielgerichteter, geplanter durchzuführen.

Ein weiterer Faktor in Bezug auf Castros Ablehnung der rechten Verteidigerposition könnten mentale Aspekte sein. Denn die Spielfeldbegrenzung führt einerseits wie erläutert zu einer Einschränkung spielspezifischer Möglichkeiten, was zumindest teilweise gleichzusetzen ist mit dem Verlust von Kreativität. Sebastian Deisler gab beispielweise einst an, sich auf einer Flügelposition unwohl zu fühlen, weil er glaubt, ein stückweit gefangen zu sein, seinen Spielwitz nicht in vollem Maße ausleben zu können. Gerade kreative Spieler brauchen aus psychologischen Gesichtpunkten häufig maximale Entfaltungsmöglichkeiten, auch wenn sie rein spieltechnisch gesehen in der Lage sind, sich problemlos auf engem, begrenztem Raum zu behaupten.

Ähnliche Gedankengänge könnten sich bei Castro manifestiert haben. Dass er aktuell mit einem Wechsel kokettiert, bestätigt nur die These, dass der Ex-Nationalspieler einen klaren Karriereplan verfolgt, der permanent neue Herausforderungen und auch Weiterentwicklung - womöglich auch isoliert betracht von der des Klubs - vorsieht. Dass er eine in Deutschland tendenziell vakante Position ablehnt und damit auch die Fortsetzung seiner Karriere in der Nationalmannschaft aufgibt, könnte folglich das Resultat von ungewöhnlich kritischer Selbstreflektion ("Wo fühle ich mich wohl?"), einem gleichzeitig hohem Selbstbewusstsein ("Ich weiß, wo ich meine Stärken ideal einbringen kann") und ein wenig Egoismus (Individual- über Mannschaftsgedanke) sein.

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