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Gomez - Unterschätzte Genialität und Inkonstanz

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Mario Gomez bleibt auf seine ganz eigene Art ein Phänomen. Bei kaum einem deutschen Spieler klaffen die Leistungsbeurteilungen derart auseinander wie beim 29-Jährigen. Von Weltklasse-Spieler bis hin zu Anti-Fußballer gehen die Bezeichnungen für den einstigen Nationalspieler in den Niederungen des Internets.

Ein Grund für diese etwas kuriose Debatte um Gomez könnte das Ungleichgewicht seiner Qualitäten in den fußballspezifischen Basisbereichen sein. Er verfügt über herausragende Fähigkeiten im Sechzehnerraum, die nur wenige Spieler auf der Welt besitzen, ist zugleich aber auch in Bezug auf die reine Spielstärke und Ballsicherheit in komplexeren Situationen wohl als unterdurchschnittlich zu bewerten.

Dennoch ist zunächst festzuhalten, dass Gomez - wenn fit, in Form und bei entsprechender Aufgabenverteilung - keinesfalls ein rein reaktiver, lauernder Strafraumstürmer ist, als der er häufig gesehen wird. Es ist keinesfalls so, dass er nicht in der Lage ist, sich passend in das Spiel zu integrieren oder Angriffe selbst einzuleiten. Grundsätzlich verfügt er über eine hohe Beweglichkeit, insbesondere in der Horizontalen. Oft wählt er dabei ein gutes Timing, öffnet Räume klug und hat eine beeindruckende Körpernutzung. Auch als Wandspieler kann Gomez potenziell überaus gut funktionieren. Er beherrscht das Direktpassspiel durchaus sehr solide, kommt jedoch insbesondere dann an seine Grenzen, wenn er unter Druck gerät oder die Wahrnehmung der Umgebung erschwert wird. Zeitweise fehlt ihm die notwendige Übersicht unter gegnerischem Pressing. In genannten Fällen weist er dann häufig auch Schwierigkeiten in der Ballkontrolle auf, wird technisch unsauber und etwas zu unruhig am Ball.

Trotz dieser vorhandenen Defizite gibt es zwei technische Kernpunkte, in denen Gomez unterschätzt wird. Zum einen hat er herausragende Mitnahmen nach Stichpässen, durch die er durch sein intelligentes Bewegen in den Schnittstellen oft eingebunden werden kann. Gerade im höchsten Tempo und dynamischeren Situationen mit Blick in Richtung gegnerisches Tor legt er sich die Bälle sehr passend gut zurecht und kann dann meist sofort aus einer günstigen Situation heraus abschließen. Zum anderen sind seine beeindruckenden Dribblings zu nennen, die er trotz eines temporär wenig elegant wirkenden Laufstils sehr gut zu nutzen weiß. Gomez ist in der Lage, sauber zu sehr explosiven, raumgreifenden und durchschlagskräften Dribblings anzusetzen, mit dem Ziel, sich in eine direkte Abschlusssituation zu bringen. Vor allem sein technisch starkes Abkappen bringt er häufig gut ein, um auf das Verhalten des Gegners zu reagieren und die Richtung des Balles zu verändern. Dies gepaart mit seiner Robustheit führt dazu, dass er in diesen Momenten nur sehr schwer vom Ball zu trennen ist.

Dass medial außerdem oft sein Defensivverhalten kritisiert wird, ist ebenfalls ein Punkt, welcher differenzierter zu betrachten ist. Nicht immer hatte Gomez sonderlich komplexe oder weiträumige Defensivaufgaben inne. Gerade aber beim FC Bayern unter Louis van Gaal hat er bewiesen, seinen ohnehin hohen Laufaufwand auch gegen den Ball effektiv einbringen zu können. Vor allem im Rückwärtspressing war er nicht nur Störfaktor oder Teil eines kollektiven Pressings, sondern erzielte sehr viele individuelle Eroberungen. Hier fiel Gomez vor allem durch eine starke Physis, Kraft und individualtaktisch gute Zugriffsmomente positiv auf. Er wählte sehr intelligente Wege in Richtung des Gegners, sodass er ideale Möglichkeiten zum Attackieren vorfand, keine umständlichen Bewegungen machen oder von der strategisch schwierigeren Seite angreifen musste. Gewissermaßen ist dies durchaus ein Aspekt der Taktikschulung, womöglich aber gar auf Gomez´ Spielintelligenz zurückzuführen. Hier ist sein Blick für das Geschehen oft sehr stark, auch wenn festzuhalten ist, dass er diese Kompetenzen - wie so viele - in der jüngeren Vergangenheit nur temporär und eher inkonstant einbringen konnte.

Macht eine Rückkehr in die Bundesliga für Gomez Sinn? Und zu welchem Klub würde er in Anbetracht der Spielanlagen und Spielvoraussetzungen am ehesten passen? Teil zwei folgt.

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