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Kimmich gegen Dänemark - reicht das für Bayern? [2]

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Mit Leipzigs Joshua Kimmich hat der FC Bayern einen Spieler verpflichtet, der den Prototyp dessen darstellt, was Coach Pep Guardiola von einem Mittelfeldspieler verlangt. Spätestens nach Kimmichs Glanzleistung bei der U21-EM gegen Dänemark ist der 20-Jährige auch weniger zweitligainteressierten Fans bekannt. Toorschuss.de hat die Szenen des Youngsters analysiert und sich anschließend die Frage gestellt: Ist er schon reif genug, um beim Rekordmeister als wichtiger Kaderspieler zu fungieren? Wie könnte er eingebunden werden? Teil 2 der Leistungsbeurteilung.

48. Minute: 2:0! Kevin Volland verwandelt einen Freistoß direkt ins rechte untere Eck. An der Entstehung war Kimmich indirekt beteiligt. Per Tackling erzielte er eine Balleroberung im hohen Pressing, wodurch die deutsche Mannschaft überhaupt erst in Ballbesitz kam. Anschließend wurde Can in zentraler Grundposition unfair zu Fall gebracht.

50. Minute: Ansonsten hat sich an Kimmichs Rolle im 4-4-2 bzw. 4-2-3-1 im Ballbesitz wenig geändert. Er ist weiter wichtigster Faktor im Pressing, enorm laufstark und sehr gut in strategischen sowie passspezifischen Aspekten.

53. Minute: Das 3:0 für die DFB-Elf durch Ginter! Kimmich war dieses Mal unbeteiligt.

57. Minute: Deutschland zeigt sich kombinativ überaus stark, inszeniert ein dynamisches Kurzpassspiel, das immer wieder durch Dribblings auf den Flügeln durchbrochen und vertikalisiert wird. Kimmich fungiert in den letzten Minuten als grundsolider Stratege, der sich nahtlos in das funktionierende Gebilde einfügt, ohne in irgendeiner Form herauszuragen. Defensiv wird er aktuell nicht gefordert. 

58. Minute: Kimmich kippt im Aufbau ab, löst sich durch eine Vertikalbewegung aus dem Deckungsschatten von Poulsen in den Zwischenlinienraum und erzielt anschließend mit Ball am Fuß durch einen kurzen, dynamischen Antritt einen Raumgewinn. Dem Rückwärtspressing entgeht er infolge dessen durch eine schnelle 180-Grad-Drehung als Gegenbewegung zur Attacke des Gegners und verlagert das Spiel dann vom linken in den rechten Halbraum. Eine starke Szene, die exemplarisch für Kimmichs technisches Geschick unter Druck, seine Spielintelligenz und sein Talent als Stratege steht - auch wenn Dänemark aktuell in der taktischen Gesamtstruktur sowie der Aggressivität deutlich schwächer einzuschätzen ist als noch im ersten Durchgang.

59. Minute: Weltklasse! Ein überragender Ballgewinn von Kimmich. Er bietet seinem Gegenspieler, der im Sechserraum in höchstem Tempo auf ihn zuläuft, die linke Seite an, weil er erkennt, dass Can ihm dort rückwärtspressend zur Hilfe eilt, treibt den ballführenden Kontrahenten so also in eine strategisch ungünstige Position. Anschließend wählt Kimmich den idealen Zugriffsmoment und setzt erneut zu einer Grätsche an. Das Geniale: Immer wieder stört er nicht nur den Spielfluss, sondern grätscht und erobert den Ball so, dass er das Spiel gleich offensiv fortsetzen kann. Besser kann man diese Szene gruppen- und individualtaktisch nicht lösen. Der Vergleich mit Philipp Lahm darf an dieser Stelle wieder erlaubt sein.

68. Minute: In den letzten Minuten passiert eher wenig. Kimmich und Deutschland sind weiter überlegen und mit einigen guten Durchbrüchen, defensiv gleichzeitig kaum in Gefahr.

70. Minute: Kimmich befindet sich jetzt mal in einer 1-gegen-3-Unterzahlsituation im Sechserraum. Entsprechend kann er nicht in den Direktzweikampf gehen, löst die Schwierigkeit durch ein sehr schnelles und aufmerksames Verschieben und Zustellen aber ganz gut, sodass Dänemark nur zu einem ungefährlichen Fernschuss kommt.

74. Minute: Noch einmal eine typische Balleroberung von Kimmich.

77. Minute: Mit Johannes Geis bekommt Kimmich in den letzten Minuten einen neuen Partner. Can verlässt das Feld.

78. Minute: Eine weitere gute Szene von Kimmich: Er wird bei einem Konter im riesigen Zwischenlinienraum freigespielt, macht Tempo und spielt den Ball im idealen Moment leicht diagonal nach links an die Strafraumgrenze, wo Schulz zum Abschluss kommt, aber geblockt wird. Ohne zu sehr ins Schwärmen geraten zu wollen: Kimmich ist wohl das, was man einen hochmodernen Mittelfeldspieler nennt. Offensiv und defensiv bringt er schon jetzt herausragende Qualitäten mit. Da von einer Kernkompetenz zu sprechen, würde seiner Vielfalt nicht gerecht werden.

84. Minute: Das Spiel neigt sich dem Ende zu - die deutsche Mannschaft hat - wie auch Joshua Kimmich im Sechserraum - alles im Griff.

Fazit: Kimmich bewies gegen Dänemark, dass er sowohl gegen den Ball als auch im eigenen Ballbesitzspiel auf höchstem Niveau agieren kann. Zwar werden ihm in der Bundesliga noch ganz andere Gegner gegenüberstehen als die gerade im zweiten Durchgang schwachen Dänen, die Cleverness in der Zweikampfführung, die Pressingresistenz und Spielübersicht waren dennoch beeindruckend. Nachdem Kimmich in der Anfangsphase der ersten Hälfte noch Probleme hatte, ins Spiel zu finden, wurde er mit fortschreitender Spieldauer wesentlich stärker, prägte das Spiel und war an der Entstehung von zwei Treffern entscheidend beteiligt. Ein Kritikpunkt wäre wohl, dass er es nicht schaffte, zu Beginn der Partie - als die deutsche Mannschaft im Allgemeinen noch einige Probleme hatte - voranzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Insgesamt war seine Leistung trotz dessen absolut herausragend, wodurch er in der kommenden Partie gegen Tschechien seinen Stammplatz sicher haben sollte. Doch ist Kimmich nun schon weit genug, um einen solchen auch beim FC Bayern einzunehmen? Wie könnte Guardiola mit ihm planen? Teil 3 folgt.

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