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Kevin de Bruyne - das offensive Komplettpaket

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Kevin de Bruyne ist einer der stärksten Offensivspieler der Liga. Während seine grundsätzliche Klasse unbestritten ist, bringt seine Spielanlage deutlich mehr Rätsel auf. Ist er nun ein reiner Umschaltspieler oder könnte de Bruyne auch in einem ballbesitzlastigen System funktionieren, in dem die Räume möglicherweise enger und die Möglichkeiten für Durchbrüche begrenzter sind?

Interessant ist zunächst die Positionsentwicklung des Belgiers: War er zu seiner Zeit in Genk insbesondere aufgrund seiner Schnelligkeit häufig noch auf dem linken Flügel eingesetzt worden, führte sein Weg nach seinem Wechsel zu Werder Bremen mehr und mehr ins Zentrum. Situativ fungierte er gar als Achter einer 4-1-4-1-Formation. Der VfL Wolfsburg macht sich gewissermaßen diese Flexiblität des 24-Jährigen zunutze, indem er de Bruyne trotz seiner Grundposition im offensiven Mittelfeld des 4-2-3-1 immer wieder auf die Flügel ausweichen lässt. Der Ex-Chelsea-Spieler hat vor allem die Tendenz, auf die linke Seite herüberziehen, um dort Überladungen zu kreieren, Kombinationen zu fördern oder selbst durchzubrechen.

Durch seine Dribbelstärke, kreative Lösungsfindung und Dynamik kann er auch statische Situationen effektiv auflösen, sich aus Engen befreien und für Überraschungsmomente sorgen. Er besitzt ein hohes Repertoire an Ideen, ist sehr variabel in seinen Bewegungen und offensiven eins-gegen-eins-Momenten, ohne sonderlich trickreich oder spektakulär zu agieren. Vielmehr ist das Beeindruckende an de Bruyne die Intelligenz seiner Gegenbewegungen in Direktduellen, durch welche er mit vermeintlich simplen Aktionen an seinen Gegenspielern vorbeizieht. Gerade das Zusammenspiel aus Technik, Bewegungsdynamik und Körpernutzung ist bei de Bruyne herausragend und eine oft unterschätzte Eigenschaft.

Womöglich auch aufgrund der Einfachheit, wie er viele komplexere Situationen löst und der fehlenden Extravaganz hegen nicht viele Fußball-Fans Zweifel an seiner Eignung für einen absoluten Topklub, der sich primär gegen reaktive, kompaktheitsfokussierte Gegner behaupten muss. Sicherlich: Auch de Bruyne fällt es etwas leichter, wenn er in Umschaltsituationen Freiräume und die Unordnung des Gegners nutzen kann, dies als Schwäche auszulegen, wäre allerdings ein wenig unfair. Vielmehr liegt dies an seiner Antrittsstärke, die er in derartigen Momenten oft sehr raumgreifend und zielstrebig ausspielen kann.

Gerade in strategischen Aspekten hat sich de Bruyne im letzten Jahr deutlich verbessert. War er gerade zu Beginn seines Auslandsabenteuers an der Weser noch etwas unsicher und unkonstant in der Anwedung seiner Passqualitäten, ist er nun nicht nur Vollstrecker, sondern situativ auch intelligenter Zirkulationsförderer und Verbindungsgeber in etwas tieferen Zonen. Hierbei schafft er im Regelfall eine gute Balance aus Horizontalpässen und dynamischen Stichpässen - gerade Pässe in die Schnittstellen gehören zu seinen größten Stärken. Eine weitere positive Entwicklung ist außerdem, dass er selbst an schwächeren Tagen sehr effektiv agiert, auch dann durch eine einzige gefährliche Offensivaktion scoren kann. In früheren Tagen war er, wenn ihm die passende Einbindung fehlte, meist über die gesamten 90 Minuten kaum sichtbar.

Auch defensiv wird de Bruyne teilweise etwas unterschätzt, was wohl in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass Wolfsburg kein sonderlich laufintensives oder aktives Pressing spielt. Durch seine Laufstärke und grundlegend soliden Defensivfähigkeiten könnte man ihn womöglich sogar noch etwas intensiver in die Defensivprozesse integrieren, obgleich natürlich die Gefahr bestünde, dass ihm dann ein wenig Kraft oder die passende Position für Umschaltmomente fehlt.

Insgesamt lässt sich wohl festhalten, dass de Bruyne sich mehr und mehr zu einem der komplettesten Offensivspieler Europas entwickelt. Er ist technisch überaus stark, torgefährlich, pressingresistent, sehr gut im Dribbling und auch als Kombinationsspieler herausragend. Gewissermaßen hängt seine Position folglich auch davon ab, wie man seine Stärken nutzen und welche man forciert einbringen möchte. Sollte er sich im strategischen Bereich noch weiter verbessern können, dürfte er selbst bei einem der Topklubs Europas im Zentrum eine absolute Schlüsselrolle einnehmen können. Aktuell wäre er bei den Elite-Klubs auf der Außenbahn wohl sogar noch einen Tick besser aufgehoben.

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