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Douglas Costa - ein ungeschliffener Diamant

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Ganz Fußball-Deutschland fragt sich: Wen hat der FC Bayern da an Land gezogen? Ein auf europäischer Bühne größtenteils unbekannter Brasilianer, der lediglich in der Ukraine gespielt hat, soll 30 Millionen Euro wert sein? Fraglos: Kaum eine Personalie spaltet die Massen derzeit so wie Bayerns Neuverpflichtung Douglas Costa. Grund genug, sich Zeit für eine Spieleranalyse zu nehmen.

Der heute 24-jährige Costa verbrachte fünf Jahre seiner Karriere beim ukrainischen Spitzenteam Shakhtar Donezk. Acht Millionen Euro hatte der Klub 2010 für Costa hingelegt, womöglich in der Hoffnung, einen Rohdiamanten unter Vertrag genommen zu haben, den man in einigen Jahren für eine exorbitant hohe Summe an einen der Branchenriesen weiterverkaufen kann. Zweifelsfrei: Sollte dies tatsächlich der Plan der Shakhtar-Verantwortlichen gewesen sein, ist dieser absolut aufgegangen. Und das, obwohl Costa gewiss noch nicht konstant gehobene internationale Klasse verkörpert. Hat Bayern also für die reinen Anlagen eines ungeschliffenen Talents bezahlt?

Der Münchener Sportvorstand Matthias Sammer attestierte Costa eine hohe Schnelligkeit und Beweglichkeit, ein gutes Passspiel sowie Dribbling und eine starke Technik. Damit liegt er auch keinesfalls falsch. An guten Tagen lässt der Flügeldribbler sämtliche Eigenschaften aufblitzen, die ein potenziell herausragender Außenbahnspieler mitbringen sollte. Doch noch zu oft stehen ihm seine Defizite, vielleicht auch seine Unerfahrenheit, im Weg. Im Allgemeinen mangelt es Costa noch an Ruhe und passender Entscheidungsfindung in seinem Spiel.

Von Beginn an: Sein Grundfähigkeiten im Passspiel sind überaus gut. Er legt im Regelfall eine gute Dynamik, Schärfe und Sauberkeit in seinen Pässen an den Tag. Gepaart mit seiner Kreativität und seiner Neugier auf dem Feld ist er in der Lage, immer wieder gut getimte Schnittstellenpässe an den Mann zu bringen, so eine Abwehrkette durch ein einziges geniales Zuspiel auszuhebeln. Schwächen besitzt er vor allem in tieferen Zonen, wenn seine strategischen Fähigkeiten im Passspiel gefordert sind. So bringt er seine guten Kompetenzen in diesem Bereich teilweise nur wenig effektiv ein, spielt Pässe ohne tieferen Sinn bzw. Gewinn für seine Mannschaft. Positiv hervorzuheben ist sicherlich, dass er selbst in komplexeren Situationen stets sehr sauber bleibt und seine Ballsicherheit erhält.

Ähnlich kreativ, aber entscheidungsunsicher ist Costa im Dribbling. Sicherlich ist dieses zu seinen größten Stärken zu zählen, zumal er mit zunehmender Robustheit auch an Durchschlagskraft gewonnen hat. Zudem hat er manchmal sehr gute, geschmeidige Bewegungen, wenn er im Tempo auf den Gegner zuläuft, die nur sehr schwer zu antizipieren sind. Die Unberechenbarkeit seiner Aktionen ist enorm. Situativ schlägt er vergleichsweise simple Haken, mit denen er am Gegner vorbeizieht, in anderen Momenten tritt er sehr spektakulär, trickreich auf, wobei dieser Hang temporär sogar noch zu groß ist. Dann mangelt es ihm abermals an einer gewissen Zielorientierung und Gradlinigkeit. Seine Ballführung, -kontrolle, und -mitnahme ist meist sehr gut, abwechslungsreich und intelligent an die Situation angepasst, wenngleich bei zu hoher Spieldynamik vereinzelt zu unruhig und hastig.

Seine grundsätzlichen Bewegungen im System sind recht stark und flexibel. Er ist aktional keinesfalls auf die Außenbahn beschränkt, sondern weicht situativ in die Halbräume oder sogar klar ins Zentrum aus, bietet sich variabel an und fördert den Aufbau, obwohl seine Rolle hier nicht derart dominant und fokussiert ist wie die von Taison. Defensiv setzen sich Costas gute und schwächere Momente fort. Im individuellen Pressing löst er viel über sein angesprochenes Tempo und ist dabei weder auffallend stark noch schwach. Probleme hat er teilweise noch in gruppen- bzw. mannschaftstaktisch passiven Momenten, sein Einrücken ist dann nicht stark genug, sehr gut zu erkennen auch im Champions-League-Hinspiel gegen die Bayern.

Fazit

Costa besitzt die Anlagen, um sich zu einem Flügelspieler zu entwickeln, der zu den Besten seiner Zunft gehört. Eine sofortige Verstärkung wird er im Normalfall aber nicht sein, da ihm noch zu viele kleinere Bausteine in seinem Spiel fehlen, damit er sein Potenzial tatsächlich optimal einbringen kann. Momentan wechseln sich gute und schlechtere Szenen häufig ab, insgesamt wirkt er noch etwas unreif auf dem Feld. Sein großer Vorteil gegenüber vielen Spielern mit ähnlicher Klasse und ähnlichen Problemen könnte sein, dass er mit Pep Guardiola auf einen Coach treffen wird, der ihn vor allem in Bezug auf die Entscheidungs- und taktikspezifischen Prozesse noch einiges mitgeben kann. Das technische Rüstzeug für den FCB hat Costa bereits jetzt, muss dieses nur noch konstanter auf den Platz bringen.

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