Alexandru Maxim - unterschätzt, aber inkonstant

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Nachdem im Saisonendspurt im Schwabenland alles von Daniel Didavi geschwärmt hatte, bekam nun Rückkehrer Kevin Stöger ein Sonderlob von Neu-Coach Alexander Zorniger: "Er hat mir sehr gut gefallen." Im Kampf um die Zehnerposition gerät Alexandru Maxim mehr und mehr in den Hintergrund. Dabei wird der Rumäne deutlich unterschätzt.

Gewissermaßen wird Maxim häufig auf seine technischen Kabinettstücke und seine Kreativität im Offensivbereich reduziert. Der Grund ist klar: Es sind die beiden auffälligsten Eigenschaften des Spielers und auch die, die er am konstantesten nutzt. Potenziell besitzt er jedoch deutlich mehr Möglichkeiten, um eine wichtige Rolle beim VfB einzunehmen. 

Ein wenig ist es schon verwunderlich, dass kein Trainer in Stuttgart es geschafft hat - oder es schaffen wollte - einen individuell derart herausragenden Fußballer wie Maxim dauerhaft in die erste Elf zu integrieren. Seit längerem gibt es Gerüchte um zeitweise schwache Trainingsleistungen des 24-Jährigen. Einst kam er gar mit Übergewicht aus dem Sommerurlaub zurück. Teilweise passte er auch schlichtweg nicht perfekt in die Formation, beispielsweise im 4-4-2 unter Ex-Trainer Thomas Schneider. Ein weiterer oft genannter Grund ist, dass Maxim in der Defensive zu schwach sei, um für Stabilität gegen den Ball zu sorgen. Dies ist aber nur zum Teil richtig. In der Tat ist Maxims Pressingarbeit nicht dauerhaft auf hohem Niveau. Dies liegt aber vor allem an seinen Ausdauerschwächen, weshalb er sich situativ zu sehr aus den gruppentaktischen Prozessen ausklinkt und die notwendigen Wege nicht konsequent geht. Grundsätzlich bringt er als Pressingspieler aber eine hohe Qualität mit. Wenn er sich läuferisch nämlich wie gewünscht einbringt, ist er sehr stark im Zulaufen von Räumen. Seine schnelle Auffassungsgabe von Situationen und Umgebungen hilft ihm dabei, sich passend zu positionieren, um potenzielle Passoptionen zuzustellen und im Pressing unterstützend zu wirken. Mit etwas mehr Dynamik im Zugriff wäre er womöglich sogar in der Lage, noch mehr eigene Ballgewinne zu erzielen. Zumal er tendenziell die dafür notwendige Aktivität mitbringt, vermutlich weil er als Offensivspieler den notorischen Drang besitzt, den Ball in den eigenen Reihen zu haben. Ein passives Defensivkonzept liegt ihm hingegen weniger, weil er temporär dazu neigt, aus diesem auszubrechen, was sich bisweilen leicht stabilitätsgefährdend auswirken kann.

Ähnlich verhält es sich im Offensivspiel: Maxim ist insbesondere dann stark, wenn er sich frei bewegen kann, nicht in ein taktisches Konzept mit starren, schablonenhaften Bewegungsabläufen gepresst wird. Potenziell beraubt man ihm in einem solchen nämlich sogar eine weitere Qualität: Auch hier erkennt er mögliche Strukturveränderungen sehr schnell und kann gut auf diese reagieren. Gerade wenn er gemeinsam mit dem sehr vertikalen und teilweise unbedacht agierenden Gentner auflief, schaffte er für dessen Aufrücken starke Kompensationslösungen, in dem er die Freiräume teilweise weiträumig anvisierte und Verbindung kreierte. Seine Flexibilität in der Reaktion auf bestimmte Situationen ist derart genial, dass es ein Fehler wäre, ihn in seinem Aktionsradius einzuschränken. Maxim kann durch seine angepassten Bewegungen Balance geben, Passmöglichkeiten schaffen, ein mögliches Gegenpressing vorbereiten oder den mannorientiert verteidigenden Gegner klug aus seiner Position ziehen, so Räume öffnen. Dabei ist er außerdem nicht auf bestimmte Zonen fixiert, bringt diese Fähigkeit variabel auf dem Flügel oder im Zentrum ein.

Gerade in Anbetracht seiner tollen Technik, der starken öffnenden Dribblings, seiner Kreativität und Passgeberqualität könnte Maxim eine hohe Präsenz und zugleich Stabilität in seinen Aktionen, aber auch im System herstellen. Problematisch ist jedoch, dass Maxim in die Prozesse nicht immer gut eingebunden ist, deshalb an Präsenz verliert und temporär etwas unscheinbar wirkt, obgleich die Stärke seiner Bewegungen gleichbleibt. Durch die herausragenden Anlagen in Sachen Intelligenz und Timing in der Defensive dürfte Maxim theoretisch ein sehr passender Spieler für die Idee von Alexander Zorniger sein. Offensiv bringt er ohnehin vieles mit, um sich bei einem ambitionierten Bundesliga-Klub zu etablieren. Ob der ehemalige Bullen-Coach die Klasse Maxims endlich vollends nutzt?

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