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Kann Timo Werner unsere U-19 zum EM-Titel führen?

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Schon in der kommenden Woche startet die deutsche U-19 in die EM und hat damit die Chance, es unseren Weltmeistern gleichzutun und mit einem Titel in die Heimat zurückzukehren. Die Hoffnungen ruhen dabei neben Schalkes Youngster Leroy Sane im Angriff klar auf Timo Werner, Offensivspieler des VfB Stuttgart. Denn obgleich der Schwabe in der abgelaufenen Saison nur Nebendarsteller war, könnte er beim DFB durch seine Bundesliga-Erfahrung und seine individuelle Klasse eine Schlüsselrolle einnehmen - wenn Coach Marcus Sorg seine Konterstärke nutzt.

Vorweg: Dass Timo Werner ein gewisses Maß an Talent besitzt, dürfte im Allgemeinen unbestritten sein. Relevanter als die Talentfrage ist allerdings vielmehr, wie ausgereift seine Spielanlage tatsächlich ist und ob diese ausreicht, um dauerhaft auf höchstem Profiniveau Fuß zu fassen. Dass reine Talentprognosen stets sehr oberflächlich und wenig aussagekräftig sind, liegt vor allem daran, dass neben dem Talent - so es dieses denn überhaupt gibt - noch andere Faktoren wie Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, Trainingsleistung und auch Glück eine elementare Rolle in der Entwicklung von Fußballern spielen.

Gerade in seiner Altersklasse konnte Werner seine Qualitäten stets sehr gut zur Schau stellen, weil vielen Gegenspielern im Jugendbereich schlichtweg die Erfahrung und Klasse fehlte, um diese einzudämmen und seine Schwächen effektiv zu bespielen. Gerade bei der U-19-EM könnte es für Werner zum Vorteil werden, dass im Normalfall die mentale und spielerische Entwicklung der Akteure im Vordergrund steht, was gleichzeitig zu wenig destruktiven, stabilitätsfokussiertem oder gar catenaccio-ähnlichem Fußball führen dürfte. Gegner, die sich konsequent mit sehr engmaschigen Ketten ins Abwehrdrittel zurückziehen, wird es wohl kaum geben. Zumal die Gegner um die Niederlande und Spanien personell ebenbürtig sind.

Kriegt Werner also die notwendigen Räume, um seine Schnelligkeit und Dynamik einzubringen? Der Youngster ist ein Meister des Fachs darin, Freiräume effektiv und mit Tempo anzulaufen und linear in Richtung des dritten Drittels zu ziehen. Wird er in engere Situation getrieben, verliert er situativ noch die Übersicht, außerdem wird er häufig in der Ballan- und -mitnahme unsauber. Zudem ist sein Dribbling in Normalform zwar keinesfalls schwach, doch er nutzt seine Fähigkeiten diesbezüglich noch sehr inkonstant, was ihn für eine Flügelrolle gegen viele Gegner unbrauchbar macht. Denn gewissermaßen mangelt es Werner dann auch an Flexibilität, wenn er mit seiner Schnelligkeit nicht zu Flügeldurchbrüchen kommt. Er sucht zwar vereinzelt nach anderen Räumen, die er attackieren kann, die Angriffsweise, die meist auf ein simples Vorbeilegen des Balles ausgerichtet ist, bleibt dabei aber gleich.

Für Werner wird es also enorm wichtig sein, dass Coach Sorg während der EM die richtige Position für ihn findet. Für viele gilt er als der kommende Mittelstürmer der A-Nationalmannschaft, doch auch in einer derartigen Rolle kommen seine Stärken nur dann zur Geltung, wenn er aus tieferen Zonen starten und seine Dynamik ausspielen kann. Ideal wäre womöglich sogar eine Einbindung Werners im offensiven Mittelfeld oder als hängende Spitze. Relevant wäre, dass er in dem Fall kombinationsstarke, ballsichere und potenziell variantenreichere Mitspieler um sich hätte, die ihn einerseits integrieren, andererseits die notwendige Kreativität und Spielstärke mitbringen, die Werner teilweise abgeht.

Im letzten Qualifikationsspiel im März gegen Tschechien praktizierte der DFB-Nachwuchs ein 4-1-3-2 mit Christiansen und Amiri im Mittelfeldzentrum sowie Leroy Sane auf der Außenbahn hinter Kölns Cueto und Gladbachs Rizzo. Cueto fungierte als umkreisender, eher zurückfallender Angreifer, spielte folglich auf Werners Paradeposition. Zuvor setzte Sorg auf ein recht einfaches 4-2-3-1, das allerdings gegnerabhängig mit unterschiedlichem Fokus interpretiert wurde. Es wird also fraglos spannend, auf welche Formation das Trainertalent nun bauen wird und wie Werner in diese integriert wird. Grundsätzlich dürfte eine weiträumige Aufgabe als hängende Spitze mit im Idealfall vielen offensiven Umschaltszenen wie gemacht für ihn sein. Dann könnte Werner tatsächlich zu einer der prägenden Figuren der EM avancieren.

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