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Yunus Malli: Vom Phlegmatiker zum Leistungsträger

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Lange galt Yunus Malli als hochtalentierter, aber inkonstanter und ineffektiver Mittelfeldspieler. In dieser Spielzeit scheint dem 23-Jährigen endlich der lang erwartete Durchbruch zu gelingen.

Mit seinem ersten Hattrick im Profibereich feierte Malli beim 3:1 über Hoffenheim sein ganz persönliches Karrierehighlight. Sein Trainer Martin Schmidt bezeichnet ihn gerne liebevoll als seinen Umschaltzehner. Der Grund dafür ist klar: Von Malli verlangt der emotionale Schweizer, dass er die Schnellangriffe ins dritte Drittel trägt, die letzten oder vorletzten Aktionen vor dem Abschluss hat. Kritisiert hatte Schmidt in der jüngeren Vergangenheit immer wieder das Defensivverhalten des Deutsch-Türken. Dass das Mainzer System auf Konter ausgelegt ist, ist kein großes Geheimnis. Entsprechend hoch ist die kollektive Anforderung im Pressing. Sich zurücklehnen und zocken ist selbst für die Kreativabteilung nicht drin.

Nachdem Malli im Sommer die Rückennummer Zehn bekam, hatte Manager Christian Heidel gleich öffentlich klargestellt: "Ich habe seinem Wunsch entsprochen, ihm aber auch klargemacht, dass er bei uns nicht den typischen Zehner spielen kann, sondern weiter auch defensiv schuften muss." Schließlich gilt Malli bisweilen als gemütlich und phlegmatisch. Im Defensivkonzept der 05er spielt Malli entweder den hängenden Part hinter Muto im 4-4-1-1 oder die zweite Spitze im etwas klareren 4-4-2. Zwar ist er immer noch kein weiträumiger Sprinter, der permanent auf Balljagd geht, dafür verrichtet er die ihm zugetragenen Systemaufgaben sehr gewissenhaft. Er schaltet sich souverän und sauber ins Verschieben ein, läuft Räume bei Bedarf zu oder den Ballführenden an. Gerade in höheren und druckvolleren Momenten konnte er seine Schnelligkeit zuletzt immer wieder gut einbinden, auch wenn ihm etwas mehr Muskelmasse im direkten Zweikampf wohl gut täte. Auch hier hat er aber schon Fortschritte erzielen können: Nach seinem Wechsel von Gladbach nach Mainz im Jahre 2011 brachte er bei einer Körpergröße von 1,79 Metern nicht einmal 70 Kilo auf die Waage. Mittlerweile dürften es ein paar mehr sein.

Offensiv prägt Malli vor allem sein simpler Dribbelstil. Anders als viele offensive Freigeister mit südländischer Herkunft nutzt der ehemalige deutsche U-Nationalspieler vorrangig einfache Haken in den freien Raum, um am Gegner vorbeizuziehen. Malli sucht also genau die Zonen, die der Gegner nicht besetzt oder nur unzureichend abdeckt statt sich in die Engen zu bewegen und sich in diesen durchzudribbeln. Dies hat zur Folge, dass er dem Ball im offensiven Eins-gegen-eins häufig nur eine einfache Richtungsänderung geben muss, um abschließen zu können. Es ist also das Zusammenspiel aus guter Technik, Koordination, Beweglichkeit und kluger Raumnutzung, das Malli im Dribbling auszeichnet. Gerade wenn er mit Tempo auf seinen Gegenspieler oder eine Abwehrkette zulaufen kann, ist er nur schwer zu stoppen. Insofern kommt ihm das umschaltlastige Mainzer Spiel durchaus entgegen. Er kann einerseits seine Dynamik ausspielen, andererseits kommt seine schnörkellose Spiel- und Dribbelweise gut zur Geltung. Oft sind es kleine Bewegungen und auf dem ersten Blick kaum zu erkennende Körpertäuschungen, welche Malli im Eins-gegen-eins einen entscheidenden Vorteil verschaffen, sodass er plötzlich antreten und dann entweder ohne größeren Gegnerdruck abschließen oder den finalen Pass spielen kann. Gewissermaßen erinnert er hier an de Dortmunder Marco Reus, wenngleich dieser noch etwas explosiver, in der Ballführung stärker und konstanter sein mag. Malli kann dafür beeindruckend gut im Rhythmus und Tempo variieren, ehe er beschleunigt. Das Timing und die Kontrolle der eigenen Bewegung ist bei Malli sehr gut ausgeprägt. Als wichtiger Vorteil erweist sich nach erfolgreichem Dribbling immer häufiger, dass er im Torabschluss nahezu beidüßig ist.

Im Passspiel ist Mallis Lösungsfindung recht kreativ, wenngleich noch etwas zu unbeständig, um den Schritt in die internationale Klasse zu schaffen. Seine Ideen sind oft gut und führen bei sauberer Umsetzung häufig zu einer direkten Torchance. Zeitweise sind seine Entscheidungen aber noch etwas unausgereift und verspielt, was auch für sein Spiel in tieferen, engen Räumen gilt. Teilweise sucht er im Mitteldrittel noch die spektakuläre Befreiung, was grundsätzlich zwar nicht zu kritisieren ist, allerdings temporär doch am technischen Detail scheitert. Zwar ist Malli wie angesprochen gewiss kein schlechter Techniker, seine Ballkontrolle und -verarbeitung im ersten Kontakt bewegt sich aber noch nicht auf allerhöchstem Niveau. Kleinere technische Fehler werden wegen seiner Kreativität und Geschmeidigkeit zwar gerne übersehen, täuschen bei genauer Beobachtung aber nicht darüber hinweg, dass er sich in seinen Aktionen durch fehlende Präzision noch zu oft verrennt. Auch hier gilt: In Kontermomenten kommt dies natürlich weniger zur Geltung. Hat Malli das Spielgerät nämlich erstmal unter Kontrolle gebracht, geht er meist auch sehr sicher mit ihm um. Ihm liegt es, schnellen Zug zum Tor zu entwickeln oder sich durch dynamische Zwischenlinienkombinationen ins Angriffsdrittel zu bringen. Als weiträumiger Aufbauförderer ist Malli bisher aber nicht in Erscheinung getreten. Es entspräche auch weniger seinen Qualitäten. Was auffällt: Im Sechzehnerraum und im direkten Duell mit dem Torwart ist er deutlich ruhiger und entscheidungssicherer geworden. Seine Abschlussschwächen, die wohl primär auch auf mentale Faktoren zurückzuführen waren, scheinen behoben.

So ist Malli ein höchst talentierter, kreativer und im dritten Drittel in bestimmten Konstellation äußerst wichtiger Spieler für Mainz, der seine Entwicklung aber längst noch nicht abgeschlossen hat. Darüber sollte trotz der guten Leistungen der letzten Wochen nicht hinweggesehen werden. Immerhin: Er schafft es immer mehr, mit höherer Effizienz zu agieren und mehr Konstanz in sein Spiel zu bekommen, was in den letzten Jahren wohl einer der größten Kritikpunkte an seiner Spielweise war. Statt Phlegma und Technik bringt er nun Tempo und Technik auf den Platz, was seine Rolle im System als Umschaltspieler mehr als nur rechtfertigt. Sollte er in einzelnen Momenten noch etwas sicherer in der Entscheidung und technisch sauberer werden - die Grundvoraussetzungen bringt er dafür fraglos mit - steht einer großen Karriere nicht viel im Wege. Immer vorausgesetzt, er verfällt nicht in alte Handlungsmuster und Verhaltensweisen zurück.

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