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FC Ingolstadt - Wie stark ist der Aufsteiger wirklich?

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Der FC Ingolstadt hat einen furiosen Saisonstart hingelegt. Als Aufsteiger blieben die Schanzer in fünf Partien viermal ohne Gegentor. Ihr Punktekonto ist für den jetzigen Zeitpunkt prall gefüllt: Schon zehn Zähler hat der FCI auf der Habenseite - Platz sechs. Toorschuss.de hat einige taktische Fragen zur Hasenhüttl-Elf beantwortet.

Was prägt den Ingolstädter Spielstil und was macht ihn stark?

Das Hauptaugenmerk in der Philosophie von Ralph Hasenhüttl liegt auf der Arbeit gegen den Ball. Auf dem ersten Blick mag Ingolstadt ein klassisches Umschaltteam sein. Im Detail aber unterscheidet sich die Mannschaft doch stark vom Liga-Durchschnitt. Schon allein die Grundordnung ist für die Bundesliga eine ungewöhnliche: Ingolstadt praktiziert im Regelfall ein 4-3-3, das gegen den Ball situativ, vornehmlich im tieferen Pressing, in ein 4-1-4-1 umgeformt wird. Über die prägenden und teilweise zu starren Mannorientierungen können schnell auch Mischformationen entstehen. Ziel des Aufsteigers ist es, viel direkten Zugriff auf den Gegner zu bekommen, Unterzahlsituationen im Mittel-, Abwehr- und teilweise auch Angriffsdrittel zu vermeiden.

Was zeichnet die Mannschaft offensiv aus?

Ingolstadt arbeitet mit vielen langen Bällen aus dem Aufbau heraus, um möglichst schnell viel Raum zu überbrücken. Über sehr enge Staffelungen wird dann versucht, die zweiten Duelle für sich zu entscheiden, alternativ ins Gegenpressing zu kommen. Besonders auffallend ist dabei das hohe Risiko, das der FCI bereit ist einzugehen: Der ballferne Flügel rückt häufig sehr weit auf die andere Seite herüber, um die Formation noch kompakter zu gestalten. Durch diese Überladung muss der Gegner seine Staffelung entweder ebenfalls verändern oder eine Unterzahl in einer strategisch wichtigen Zone im eigenen Abwehrdrittel in Kauf nehmen. Im Falle eines Ballgewinns strebt Ingolstadt oft schnelle Kombinationen durch die Halbräume an.

Gegen welche Teams ist dieses System besonders effektiv?

Das mannorientierte Pressing bietet vor allem Vorteile gegen Gegner, die im Aufbauspiel Schwächen haben. Denn der viele direkte Zugriff erfordert ein gezieltes Spielen mit der Ingolstädter Struktur, um Räume im ersten Schritt zu öffnen, diese dann im zweiten Schritt dynamisch zu besetzen und zu attackieren. Mit unflexiblen, starren und gruppentaktisch unausgereiften Bewegungsmustern wird man das Ingolstädter Defensivsystem kaum fordern können. Das hat sich während des Saisonstarts gezeigt.

Wann könnte Ingolstadt Probleme bekommen?

Dass der FCI seine einzige Saisonniederlage gegen Dortmund hinnehmen musste, ist gewiss kein Zufall. Durch die individuelle Klasse konnte der BVB sich immer wieder aus dem direkten Zugriff befreien. Die Gefahr des Systems ist, dass die Mannschaft sich sehr abhängig vom Verhalten des Gegners macht. Die Räume sind insgesamt nicht sonderlich gut abgesichert, sodass jeder verlorene Zweikampf potenziell eine Unterzahlsituation bedeuten kann. Gegen Teams, die mit Mittelfelddribblern genau dies provozieren oder besonders kombinationsstark sind, könnte Ingolstadt auch in Zukunft Schwierigkeiten bekommen. Dortmund öffnete beispielsweise durch Linksüberladungen gezielt Räume in Ballferne, schaffte es, sich über dynamische Passstafetten dem Gegnerzugriff zu entziehen und spielte dann genau die unabgesicherten Räume an.

Wer sind die Schlüsselspieler?

Die Schlüsselfiguren im Schanzer System sind die beiden Mittelfeldleute Alfredo Morales und Pascal Groß. Das Duo ist auf den beiden Halbpositionen zuhause. Sie versuchen die teilweise instabile Struktur im Mittelfeld aufrechtzuerhalten und die mannorientierten Bewegungen zu balancieren.
Vor allem Groß ist außerdem im Offensivkonzept ein wichtiger Faktor. Er spielt viele gut getimte lange Bälle und bietet sich im Aufbau flexibel an. Oft kippt er nach (halb-)rechts heraus und sorgt damit für eine gesunde Asymmetrie in der Formation. Da er technisch außerdem einer der stärksten Ingolstädter ist, liegt auf ihm viel Verantwortung im Ballbesitz. Vorne haben sie mit Lukas Hinterseer einen unterschätzten Pressingstürmer, der bei vielen Bundesligisten kaum eine größere Rolle spielen würde, für das System des FCI (spezifisch das Anlaufverhalten) aber sehr wichtig ist.

Ausblick: Kann Ingolstadt sich bis zum Ende in der Top sechs halten?

Wohl kaum. Zwar ist Ingolstadt mit seiner Spielweise ein durchaus unangenehmer Gegner, der vielen Mannschaften ein Bein stellen kann, allerdings ist die Ausführung auch individuell keinesfalls herausragend. Ein Vorteil der Schanzer könnte sicherlich sein, dass die Liga im Allgemeinen nicht sonderlich aufbaustark ist, viele Teams sich also an den Mannorientierungen die Zähne ausbeißen könnten. Gerade gegen die direkte Konkurrenz im Abstiegskampf sollte Ingolstadt gute Karten haben, während man gegen Bayern & Co. auch mal etwas deutlichere Niederlagen in Kauf nehmen müssen wird. Das Potenzial, um die Klasse zu erhalten, hat Ingolstadt definitiv. Letztlich bleibt aber abzuwarten, ob und wie schnell die Gegner passende Reaktionen auf das Konzept der Bayern finden werden. Realistisch erscheint eine Platzierung zwischen Rang 12 und 16.

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