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VfB Stuttgart: Überbewertet oder unterschätzt?

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Von kaum einem Team lässt sich die aktuelle Leistungsstärke derart schwer einschätzen wie vom VfB Stuttgart. Die Tabelle spricht trotz des 3:1-Sieges gegen Hannover eigentlich eine klare Sprache. Mit nur drei Zählern und einer Tordifferenz von -6 stehen die Schwaben auf Rang 15. Doch gehören sie da tatsächlich hin?

Zweifelsfrei: Stuttgart hatte während der ersten Saisonspiele ein wenig Pech mit der Spielentwicklung und scheiterte vielfach an der eigenen Chancenverwertung. Losgelöst von der Frage, ob auch dies eine Qualitätsfrage ist oder doch nur unter den Faktor 'fehlendes Spielglück' fällt, gilt es zu beantworten, wie stark der VfB nun wirklich ist. Wird er wegen (vermeintlich) guter Leistungen wie gegen Köln, Schalke oder Hannover überbewertet und der Tabellenplatz entspricht ihrer derzeitigen Leistungsstärke? Oder wird er wegen des vielen Pechs am Ende doch unterschätzt?

An Identität gewonnen, an Stabilität verloren?

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Stuttgart im Rahmen der neuen Spielkonzeption sicherlich an Identität und Profil gewonnen hat. Allerdings ist diese noch genauso instabil wie unausgereift, sodass gute Ansätze, die es zweifelsfrei gibt, oft in der Disbalance des Systems untergehen. Diese Problematik beginnt schon beim wichtigsten Teil der Zorniger-Philosophie: Dem Pressing. Toorschuss.de hatte vor einigen Tagen bereits zwei Pressingvarianten der Stuttgarter vorgestellt. Während die erste Pressingreihe ihre Arbeit seit Spieltag eins konstant gut macht und in unterschiedlichen Konstellationen gerade gruppentaktisch überaus gut zusammenarbeitet, mangelt es in zweiter und dritter Linie gänzlich an passenden Bewegungsabläufen. Einerseits ist dies mit individuellen Schwächen im taktisch-strategischen Bereich zu begründen - vorrangig im Falle von Christian Gentner - andererseits mit einer für die Spieler nicht immer passenden Umgebung. Im Vorjahr unter Huub Stevens konnten Gentners teilweise kuriosen Läufe oft gut balanciert werden, sodass sich sein Verhalten weniger stabilitätsgefährdend auswirkte. Zorniger forciert die gefährlichen und unkoordinierten Bewegungen seines Führungsspielers aber sogar häufig, indem er ihn von der Doppelsechs oft sehr weiträumige Pressingaufgaben gibt, welche kaum effektiv abgesichert werden. Auch als Resultat dessen rücken die Innenverteidiger Baumgartl und Hlousek bzw. Sunjic, eigentlich taktisch solide bis gute Spieler, häufig riskant aus der Kette heraus. Lange Bälle müssen durch das hohe Verteidigen und die nicht selten fehlende Präsenz im Sechserraum oft gleich durch die Endverteidigung verteidigt werden. Da aber auch dieses Herausrücken häufig nicht gut abgestimmt, situativ sogar gänzlich unpassend ist, rücken wiederum die Außenverteidiger weit ein, um die letzte Linie zu schützen. Die Folgewirkungen dessen sind offene Flügelräume, die wie zuletzt von Hannover schnell zu gegnerischen Durchbrüchen führen können.

Das aber sind längst noch nicht alle Stuttgarter Probleme im Abwehrverhalten. Hinzu kommt eine noch nicht funktionierende Abseitsfalle, sowie die chronische Gefahr eines solch extremen Pressingkonzeptes, bei mangelnder Intensität in Ballnähe über eine Verlagerung in die ballfernen Räume gnadenlos ausgespielt zu werden. Kurzum: Stuttgart tut sich schwer gegen Mannschaften, die spielstark sind, sich folglich kombinativ aus dem Pressing befreien können, und gegen Teams, die mit langen Bällen operieren und dann schnell den Weg auf den Flügel finden. Wann aber greift das Pressing? Die bisherigen Eindrücke zeigen, dass Stuttgart dann dominiert, wenn es gelingt, den Gegner über das vordere Pressing in seiner eigene Hälfte festzunageln, er trotz Strukturdefiziten im Aufbau nach spielerischen Lösungen sucht und dann in den Pressingstrudel gerät. So war es gegen Schalke. So war es stellenweise gegen die Hertha. Teil zwei folgt.

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Kommentare   

#2 Toorschuss.de 2015-09-25 21:32
Hallo Bauer,

individuell gesehen scheint Schalke sicher passstark, zu sein allerdings fehlen da eben oft die passenden Strukturen, um die Qualität in eine vernünftige Umgebung zu bringen. Raumaufteilung ist teilweise nicht so toll, Geis trifft unter Druck außerdem oft ziemlich kuriose Entscheidungen. Insofern würden wir das schon gelten lassen, dass Schalke im ruhigen Aufbau unter Druck eher schwach ist. Auf den Flügeln sieht es dann (vorrangig mit Aogo und Meyer, unterstützt von Goretzka) schon besser aus.

Gruß,

Christopher, Toorschuss.de-Team
#1 Bauer 2015-09-25 08:09
Interessant ist das Schalke eher nicht zu den kombinativ schwachen Teams zählt, Stuttgart's System aber trotzdem gut funktionierte.

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