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Warum Kramer so gut nach Leverkusen passt

Veröffentlicht in Taktikanalysen

In den letzten zwei Spielen hat Weltmeister Christoph Kramer seine wohl bisher besten Leistungen im Bayer-Dress gezeigt. Ein Grund dafür ist, dass Coach Roger Schmidt die Rolle des 24-Jährigen leicht angepasst und seine Vielfalt an Stärken gut eingebunden hat.

 

 

Zuletzt kippte Kramer im Aufbau früh ab, um sich im weiteren Verlauf dann bis zur gegnerischen Box vorzuarbeiten. Oft dribbelte er nach Unterstützung der Rechtsüberladung in die gegnerische Formation ein und suchte den Durchbruch ins Angriffsdrittel. Ähnliche Läufe hatte er schon in Mönchengladbach insbesondere im Zusammenspiel mit dem positionstreuen Havard Nordtveit immer wieder sinnvoll eingestreut. Wie spielintelligent der Ex-Borusse ist, zeigte sich dabei einmal mehr: Das Timing seiner Dribblings war bemerkenswert. Kaum ein Spieler versteht es derart konstant wie Kramer, technische und taktische Aspekte in einen Kontext zu bringen. Meist stößt er mit hoher Dynamik einfach in offene Räume und sorgt damit für massig Raumgewinn. Eine Fähigkeit, die oft gar nicht als Dribbling wahrgenommen wird, weil Kramer kaum Körpertäuschungen oder Richtungsänderungen einbaut und zum Teil schlichtweg nicht einbauen muss. Mit dieser Schlichtheit und Gradlinigkeit passt er grundsätzlich gut zum Leverkusener Offensivstil. Hervorstechender sind da schon seine Bewegungen aus Engen, in welchen er seine - gemessen an seiner Körpergröße von 1,90 Metern - hohe Beweglichkeit für schnelle und technisch saubere Drehungen aus der verengten Zone nutzt. Häufig schiebt er seinen Körper dabei intelligent vor den Gegner, sodass dieser in ungünstige Zugriffs-Winkel gerät. Im Leverkusener Offensivsystem, das oft von viel Tiefe und wenig Breite geprägt ist, kommen diese Fähigkeiten gut zur Geltung.

Selbiges gilt für sein Defensivverhalten. Hier besticht Kramer vornehmlich durch eine starke Antizipation. Häufig nutzt er gar von seinen Mitspielern geführte Zweikämpfe für Balleroberungen: Er wartet ab, in welchen Raum der Gegner durch den Druck gezogen wird und läuft ihm dann simpel den Ball ab. In den vielen Überzahl-Pressingsmomenten Bayers kommt Kramer natürlich oft in Situationen, in denen der Gegner keine Anspielstation findet und zu isolierten Läufen ansetzen muss. Außerdem: Im oft praktizierten 4-2-4-Pressing ist es im Zusammenspiel mit Doppelsechs-Partner Bender seine Aufgabe, einen riesigen Raum zu kontrollieren. Wegen ihrer Laufstärke, Ausdauer und Intelligenz in der Positionsfindung ist wohl kein Duo so gemacht für diese schwierige Rolle wie Kramer/Bender. Kramer bricht gerne aus seinem normalen Verantwortungsbereich aus. Dass dieser in Leverkusen grundsätzlich weiter gefasst wird als bei vielen anderen Klubs ist hier sicherlich ein Vorteil, zumal er trotz weiträumiger Läufe ohnehin nie die Stabilität aufgibt, sondern auf passende Absicherungen Acht gibt.

Im Prinzip ist Kramer eine Allzweckwaffe ohne nennenswerte Schwächen. Seine unorthodoxe Spielweise ist dabei nie das Resultat taktischer oder technischer Fehler, sondern die Symbiose aus sehr bedachtem Spiel und 'Straßenfußballermentalität'. Kramer hat viele intuitive Ideen, schaut aber, dass diese auch mit der vorhandenen Umgebung und Situation harmonieren. Die Freiheiten, seine Ideen dann auch umzusetzen, hat er in Leverkusen. Seine Umtriebigkeit, kluge Raumbesetzung und -findung in Defensive und Offensive wurde zuletzt sehr systematisch eingebunden. Dass er gegen den Ball wie auch im Aufbau große Räume bespielen muss, passt mindestens so gut zu Kramer wie der Weltmeistertitel auf seine Autogrammkarte. Die hohe Präsenz in der Tiefe, die dann in engenauflösende Dribblings und tororientierte Dynamik übergeht, bringt seine box-to-box-Anlagen perfekt zum Vorschein.

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