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Andre Schürrle - Wieso er falsch eingeschätzt wird

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Während Julian Draxler sich beim VfL Wolfsburg gut einzufinden scheint, bereitet eine Personalie allen Wölfen Kopfschmerzen. Im Winter ist Andre Schürrle für 32 Millionen Euro vom FC Chelsea zu den Niedersachsen gewechselt. Überzeugen konnte er seitdem noch nicht. Sind die Erwartungen an den 24-Jährigen womöglich die Falschen?

Von Mainz bis Chelsea: Konterstürmer und Abschlussspieler

Schon in Mainz lebte Schürrle von seiner Schnelligkeit, Dynamik und Abschlussstärke. Im Tuchel'schen Kontersystem kamen seine Fähigkeiten perfekt zur Geltung, zumal er als zentrale Spitze oft Fixpunkt der Schnellangriffe war. Auch in Leverkusen fiel er durch seine diagonalen, tororientierten Läufe und Dribblings auf, nach denen er vielfach sofort den Torabschluss gesucht hat. Spannend war in Anbetracht seiner Stärken die Rolle beim FC Chelsea. Jose Mourinho setzte Schürrle als Tiefensprinter und Konterstürmer in oft sehr hoher Grundposition ein. Häufig wurde er erst in sehr späten Stadien und für die vorletzten und letzten Aktionen eingebaut, damit er dann seine Geradlinigkeit ausspielen konnte. An der Ballzirkulation oder Angriffsvorbereitung war Schürrle so gut wie nie beteiligt. Das hatte seine Gründe.

Raumnutzer statt Engenauflöser

Schürrles Kreativität beschränkt sich auf Aktionen im Angriffsdrittel. In puncto Technik und Ballkontrolle ist er solide, um aber in einem Ballbesitzsystem eine zentrale Rolle einzunehmen und sich in engen Situationen zurechtfinden, reichen seine Fähigkeiten nicht aus. Vielmehr ist er stark, wenn er Räume mit seiner Dynamik attackieren kann und dem Gegner die Balance zum Zugriff fehlt. Als inverser Spieler auf der linken Seite hilft ihm zusätzlich, dass sein Standbein im diagonalen Dribbling zwischen Gegenspieler und Ball steht, was dem Gegner die Balleroberung logischerweise erschwert. Zumal Schürrle während seiner Zeit beim FC Chelsea deutlich an Robustheit und Durchsetzungsfähigkeit im direkten Zweikampf gewonnen hat.

Dass er in der Nationalmannschaft häufig nur die Jokerrolle inne hatte, ist gewiss kein Zufall. Gerade im Falle einer Führung ergeben sich vermehrt Räume, die kaum ein Spieler so gut zu nutzen weiß wie Schürrle. So ist er vielmehr ein Sprintertyp mit geschickten, geradlinigen Bewegungen in offenen Räumen als ein vielseitiger Dribbler, der Engen auflösen und organisierte Defensiven aushebeln kann.

Seine Rolle in Wolfsburg und wie er funktionieren kann

Prinzipiell ist die Rolle in Wolfsburg auf dem linken oder rechten Flügel für Schürrle keine Schlechte. Zwei Kernprobleme schleppt er allerdings mit sich herum: Er braucht kreative Spieler um sich herum und hinter sich, die seine Stärken einzubinden wissen. Keine Seltenheit bei typischen Konter- und Abschlussspielern. In der letzten Saison hatte er mit Kevin de Bruyne den besten Vorlagengeber der Liga neben sich. Allerdings hatte er zu diesem Zeitpunkt wegen fehlender Spielpraxis in England noch mit Fitness- und Formproblemen zu kämpfen. De-Bruyne-Ersatz Julian Draxler ist entgegen der weitläufigen Meinung kein Spieler, der durch Spielübersicht besticht und Schürrle permanent einsetzen wird. Die Sechser Gustavo und Guilavogui strahlen ebenfalls wenig Kreativität aus. Für Schürrle dürfte die Situation folglich nicht einfacher werden.

Hinzu kommt, dass sich Wolfsburg mittlerweile gegen vergleichsweise wenig Bundesliga-Mannschaften allein auf Konter fokussieren kann. Nicht einmal gegen die Bayern war dies der Fall. Für die wichtige Ballzirkulation im Mittelfeld fällt, wenn Schürrle spielt, jedoch ein weiterer Spieler heraus. Dieter Hecking muss also immer wieder abwägen, ob ein Einsatz des Weltmeisters unter Berücksichtigung seiner Qualitäten und Defizite Sinn macht. Kann seine Konter- und Abschlussstärke gegen den jeweiligen Gegner von Beginn an zur Geltung kommen? Die Antwort dürfte in den meisten Ligaspielen eher in Richtung 'Nein' tendieren. Wichtig könnte aus Schürrles Sicht die Verpflichtung von Max Kruse gewesen sein. Der Ex-Gladbacher sollte der Spieler sein, der die Fähigkeiten des Außenstürmers am besten integrieren kann. Die Erwartungshaltung an Schürrle muss dringend an seine wahre Leistungsfähigkeit angepasst werden. Diese ist zwar ohne Frage hoch, jedoch nur in bestimmten Konstellationen und Umgebungen wirklich wertvoll.

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