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Darum kann Bayern die beste Mannschaft Europas werden

Veröffentlicht in Taktikanalysen

anaMia san Mia. Und das sogar noch mehr als letzte Saison. Der FC Bayern ist mal wieder auf dem besten Weg zur Meisterschaft. Toorschuss.de erklärt, wieso die Münchener in diesem Jahr stärker sind als im vergangenem und alle Chancen haben, die beste Mannschaft Europas zu werden. Nicht nur wegen des Dortmund-Spiels.

Positionsspiel auf höchstem Niveau

Seit der van-Gaal-Ära ist das Positionsspiel die Grundlage des bayerischen Offensivspiels. Das heißt, dass bestimmte Spielfeldzonen (und ihre Aufgaben) jederzeit besetzt sein müssen, es dabei aber nicht entscheidend ist, welcher Spieler die Position bzw. Zone füllt. Was unter van Gaal zu bewegungsstarr, fast schon schablonenhaft praktiziert wurde, hat Guardiola in ein Gerüst voller Freiheiten gepackt. Über die variable Bildung von Dreiecken und Rauten soll die Ballzirkulation aufrechterhalten und als taktisches Mittel zur systematischen Angriffsvorbereitung genutzt werden. Die Grundordnung ist dabei nicht entscheidend, sondern die Raumbesetzung in spezifischen Situationen und Spielphasen. Auch deshalb bezeichnet Guardiola Formationen wie 4-3-3, 4-1-4-1 oder 3-5-2 als nichtssagende Telefonnummern.

pep1Das Spiel gegen den BVB war eine Demonstration der bayerischen Qualität im Positionsspiel. Lahm pendelte zwischen Rechtsverteidigerposition und Zentrum, Halbverteidiger Alaba suchte vereinzelt die Wege in höhere Zonen, Alonso und Martinez tauschten kurzzeitig ihre Rollen und die rechte Seite wurde getreu dem Motto der positionellen Flexibilität minütlich von einem anderen Spieler besetzt. Vielfach war es Götze, der auf dem rechten Flügel Breite gab. Situativ rückte der WM-Held aber auch ein, worauf Lahm reagierte, indem er sich etwas nach Außen bewegte. Selbiges war vereinzelt im Zusammenspiel mit Müller oder Lewandowski zu sehen - Götze übernahm dann entsprechend eine zentralere Position, wenn einer der beiden auf die Seite auswich.
All diese Wechselspielchen geschahen in Abhängigkeit von Raum, Zeit, Ballposition, Spielsituation und Verlauf der Partie. Letztlich ist hierbei die Verknüpfung aus taktischen Vorgaben und Eigenverantwortung der Spieler auf dem Feld unter Berücksichtigung eines ganzheitlichen Kontextes entscheidend. Diese aufeinander abgestimmten Positionsläufe - unabhängig davon, ob es sich um einen einfachen Tausch oder eine veränderte Raumbesetzung handelt - beherrscht der FC Bayern in Perfektion. Das muss er auch: Werden einzelne horizontale oder vertikale Linien nämlich mehr als drei bzw. zweifach besetzt, leidet die Dreiecksbildung und infolge dessen die Zirkulation darunter.

Weil die individual-, gruppen- und mannschaftstaktische Ausbildung der Spieler aber derart gut ist, läuft das Münchener Positionsspiel meist reibungslos. Die Verknüpfung der Ausbildungsaspekte ist dabei recht interessant: Die Spieler nutzen die Individualtaktik, beispielsweise den Schulterblick, als Instrument, um gruppen- oder mannschaftstaktische Faktoren zu erkennen. Die Anforderungen, die Guardiola in Bezug auf die Informationswahrnehmung an seine Spieler stellt, ist riesig. Nicht zuletzt deshalb gilt das Positionsspiel als unheimlich schwierig zu erlernen. Guardiola profitierte gewissermaßen davon, dass er auf dem van Gaal'schen Fundament aufbauen konnte. Im dritten Jahr unter ihm beherrscht die Mannschaft die grundlegenden Abläufe im Positionsspiel (das konstante Freilaufen, die Dreiecksbildung, das ballorientierte Verschiebeverhalten im Ballbesitz) wie aus dem Effeff und ist innerhalb der Grundstruktur extrem anpassungsfähig.

Fokus auf die Spieler-Fähigkeiten

Ein großer Vorteil, den Guardiola gegenüber vielen Trainern hat, auch wenn ihm genau dies immer wieder vorgeworfen wird, ist die geringe Starrheit im System. Die unterschiedlichen und vielfältigen Bewegungsmuster von Alaba, Lahm oder Vidal sind nicht etwa der Versuch, Flexibilität zu erzwingen, sondern das Resultat ihrer sehr unterschiedlichen und räumlich unabhängigen Stärken. Alaba beispielsweise kann das Spiel beeindruckend gut aufbauen, weshalb Guardiola ihn im tiefen Ballbesitz oft in die erste Linie stellt. Wenn der Übergang ins Mitteldrittel geschafft ist, braucht die Mannschaft den Österreicher aber nicht mehr in der tiefsten Zone. Vielmehr benötigt sie seine Dynamik und Kombinationsstärke innerhalb der gegnerischen Formation. Deshalb gewährt Guardiola ihm im Rahmen des Positionsspiels die Freiheit, sich flexibel in die höheren Räume zu bewegen.

Um die Qualitäten seiner Spieler optimal einzubinden, ist der Katalane sogar bereit, die Spielanlage zu verändern. Mit dem Transfer von Xabi Alonso, der wohl einer der besten Diagonalpassgeber der Welt ist, hat er das Spiel beispielsweise weiträumiger und die Positionsbesetzung breiter angelegt, damit der Spanier eine passende Umgebung hatte, um seine Zuspiele anzubringen.

Alonsos Qualität passt außerdem sehr gut zur Verpflichtung von Douglas Costa. Ohne Außenbahndribbler machte es aus bayerischer Sicht wenig Sinn, den Ballbesitz immer und wieder auf die Flügel zu verlagern. Mit Costa und Coman auf den Seiten versucht der Triple-Sieger von 2013 nun oft, die Flügel über schnelle Seitenverlagerungen freizuspielen, damit die beiden Neuzugänge ihre Eins-zu-eins-Qualität integrieren können. Auch der erhöhte Fokus auf die Flügel und Verlagerungen (und damit indirekt die Costa-Verpflichtung) ist folglich ein Grund dafür, dass Alonso in diesen Tagen wieder aufblüht. Guardiola hatte wieder Möglichkeiten, das Spiel an die Stärken des 33-Jährigen auszurichten und hat diese Chance am Schopfe gepackt.

Schweinsteiger/Alonso-Problematik gelöst

schweini2Nicht zu verachten ist außerdem der Abgang von Bastian Schweinsteiger, der in Fankreisen, vor allem bei eingefleischten Münchenern, für viele kritische Blicke gesorgt hat. War es wirklich der richtige Schritt, eine Vereinsikone, die jahrelang auch sportlich eine Schlüsselrolle inne hatte, abzugeben? Gewissermaßen hat Schweinsteiger die so eben gelobte Fähigkeit von Guardiola limitiert. Denn er konnte dem Weltmeister nicht die Rolle geben, die ihm am besten liegt, weil seine Bewegungen denen von Alonso zu ähnlich waren, sie sich gegenseitig in ihrer Präsenz eingeschränkt und sich letztlich ihren Qualitäten beraubt haben. Deshalb musste Guardiola Positions-Alternativen für Schweinsteiger finden und steckte ihn in eine box-to-box-Rolle. Dies hatte aber wiederum zur Folge, dass seine größte Stärke, das Ankurbeln des tiefen Aufbaus, weniger zur Geltung kam. Diesen Kompromiss wollte Guardiola wohl nicht mehr bedingungslos eingehen. Auch wenn nicht ganz klar ist, welche Faktoren zu dem Wechsel geführt haben: Der 44-Jährige hat sich zumindest nicht entscheidend gegen einen Schweinsteiger-Verkauf gewehrt. In Anbetracht der Probleme des letzten Jahres kein großes Wunder.

Die Mittelfeldtransfers sitzen

Die Folge dessen war, dass Guardiola sein Mittelfeld im Sommer leicht umstrukturieren konnte. Neben den angesprochenen Flügeldribblern Costa und Coman sowie Torwart-Backup Sven Ulreich kamen mit Joshua Kimmich und Arturo Vidal zwei zentrale Mittelfeldspieler nach München.

Durch die Verpflichtung Kimmichs hat die ohnehin schon hochveranlagte bayerische Kreativ- und Aufbauabteilung noch einmal Spielintelligenz dazu gewonnen. Der 20-Jährige ist in erster Linie Rotationspartner für Alonso und kann die Rolle als Tiefenspielmacher mit seiner Passsicherheit, guten Positionsfindung und Pressingresistenz durchaus gut ausfüllen. Defensiv ist er sogar noch ein wenig dynamischer und weiträumiger als Alonso, wenngleich ihm natürlich noch der Nachweis fehlt, auch auf höchstem Niveau konstant gute Leistungen abrufen zu können.

vidalMit dem Transfer von Vidal ging das Echo einher, dass der aggressive Chilene 'Kampf statt Technik' verkörpere, deshalb eigentlich gar nicht sonderlich gut zu Guardiola passen würde. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Sicherlich ist Vidal kein ganz so kreativer, kombinationssicherer und beweglicher Spieler wie beispielsweise Thiago, trotzdem gehört er technisch und insbesondere passtechnisch ohne Zweifel zu den besseren Spielern in Europa. Was Vidal aber zu einem nahezu perfekten Spieler für Guardiola macht, ist die Tatsache, dass er sich in fast allen Räumen zurechtfindet. Egal ob als Außenverteidiger, vorstoßender Innenverteidiger, Sechser, Achter, Zehner oder als hängende Spitze: Vidal hat auf allen Positionen schon gespielt und überzeugt. Das macht ihn prädestiniert für eine Philosophie, die auf Positionsspiel aufbaut. Auch wenn er in einzelnen Spielen noch etwas Schwierigkeiten hatte, sich in das System einzufinden, macht der 28-Jährige den Rekordmeister mit seinen vielseitigen Eigenschaften noch ein Stück variabler. Um noch einmal den Bogen zum Schweinsteiger-Abgang zu schlagen: Vidal kann ähnlich vertikal agieren wie sein Vorgänger, ohne dass man hierbei von einer Kompromisslösung sprechen müsste. Damit passt er letztlich auch besser zu Alonso als es Schweinsteiger tat.

Statt wie in Barcelona mit Xavi und Iniesta auf die Symbiose zwar nicht gleicher, aber doch ähnlicher Spieleigenschaften zu setzen, vertraut Guardiola beim FC Bayern nun auf sich ergänzendes Spielermaterial, das am Ende eine möglichst vollkommene und phasenunabhängige Qualität ermöglichen sollen. Alonso kann sich uneingeschränkt dem Aufbauspiel und dem Erzeugen von Weiträumigkeit widmen, Thiago Verbindungen und Übergänge in alle Richtungen herstellen und sich durch die Engen dribbeln und Vidal hat alle Freiheiten, um für Präsenz und Dynamik in höheren Zonen zu sorgen. Vor allem im Pressing schafft der Vidal-Transfer noch einmal neue Möglichkeiten. Dazu an anderer Stelle mehr.

Teil zwei folgt.

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