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Das ist Island: Stabil, solide, unspektakulär

Veröffentlicht in Taktikanalysen

103.125 km² Landesfläche, 330.610 Einwohner - und ein großer Traum. Island hat sich sensationell für die Europameisterschaft qualifiziert und will 2016 in Frankreich für Furore sorgen. Doch für viele ist die isländische Nationalmannschaft ein unbeschriebenes Blatt. Toorschuss.de hat einen Blick auf die Mannschaft von Lars Lagerbäck geworfen.

Dass Island sich in seiner Qualifikationsgruppe gegen Teams wie die Türkei oder die Niederländer durchgesetzt hat, mag nicht wenige überrascht haben. Dennoch hat sich eine postive Entwicklung im isländischen Fußball schon seit Jahren abgezeichnet. 2014 ist die Mannschaft beispielsweise erst in den Playoffs an der Qualifikation für die WM gescheitert. Nun gelang also der große Coup: Island hat sich als Tabellenerster der Qualifikationsgruppe A durchgesetzt.

Stabilität als großes Plus

In neun Spielen musste Island nur fünf Gegentreffer hinnehmen. Zum Vergleich: Die Niederlande steht bei elf Gegentoren, der Tabellenzweite Tschechien bei zwölf. Um festzustellen, dass dies gewiss kein Zufall ist, genügt ein Blick auf das isländische Defensivsystem. Für gewöhnlich spielt das Team im einem 4-4-2/4-4-1-1, das grundsätzlich wenig spektakulär, aber sehr sauber und diszipliniert interpretiert wird.

Die beiden Stürmer setzen die grundlegenden strategischen Sachen meist sehr gut um. Sie verschieben solide, schließen das Zentrum clever und ziehen die gegnerischen Sechser im Idealfall zugleich in ihren Deckungsschatten. Die hängende Spitze sinkt, wenn die erste Pressinglinie überspielt werden konnte, dann teilweise etwas weiträumiger ab und unterstützt das Pressing in tieferen Zonen.
Prinzipiell zieht sich die sehr effiziente, aber doch etwas standardisierte Verteidigungsweise durch alle Mannschaftsteile - mit Ausnahme der beiden Sechser. Im Regelfall lösen sie sich etwas aus dem passiven Konstrukt und haben mehr Freiheiten für aktive Pressingbewegungen und Balleroberungsversuche. In vielen Fällen verlässt der ballnahe Sechser seine Position und schiebt diagonal an den Flügelspieler heran, um ihn beispielsweise für einen Defensivzweikampf abzusichern. Der ballferne Sechser bleibt indes im Sechserraum. Die theoretische Inkompaktheit in dieser Zone wissen die Isländer durch ein gezieltes Lenken des Gegners nach Außen sowie ein sehr geschicktes und passendes Herausrücken zu kompensieren. Beide Sechser preschen nur dann vor, wenn die Präsenz des Gegners im Zentrum nicht sonderlich hoch ist und die Angriffsmuster nicht zwingend auf Pässe ins Zentrum abzielen. Tun sie das, schiebt die Doppelsechs situativ doch eher simpel, zusammenhängend und ballorientiert hin und her.

Interessant: Aus dem grundlegend passiven Pressingsystem sind die Skandinavier immer in der Lage, auszubrechen und aktiver zu werden. Vornehmlich geschieht dies dann, wenn der gegnerische Außenverteidiger gepresst und isoliert werden kann. Die umliegenden Anspielstationen werden dann meist durch direkten Zugriff abgeschnitten, um entweder eine Einzelaktion, den unvorbereiteten langen Ball oder einen Rückpass zu provozieren.

Klare Angriffe und Asymmetrien

Im Angriffsspiel setzt sich die isländische Einfachheit und Geradlinigkeit fort. Während die Sechser auch hier viele Freiheiten genießen, die bisweilen jedoch zu einer gewissen Unverbundenheit führen, sind die Abläufe auf allen anderen Positionen sehr klar.
Prägend ist dabei eine Asymmetrie zwischen den beiden Flügelspielern. Linksaußen Bjarnason spielt oft tiefer und eingerückter als sein Gegenpart auf der rechten Seite und versucht, die Bewegungen der Sechser aufzufangen und das Zentrum zu stabilisieren.
Für Präsenz in den hohen Zonen der linken Seite sorgt dann vielfach der Mittelstürmer, indem er auf die Flanke ausweicht und sich beispielsweise für long-line-Pässe oder lange Zuspiele aus der Defensive anbietet. Zeitweise gibt es auch recht stabile Direktpassstafetten oder gute Dribblings über die Außenbahnen - grundsätzlich gilt aber: Das isländische Offensivspiel ist sollide, zielstrebig, hat jedoch nur sehr selten herausragende gruppentaktische Momente. Oft entscheidet dann doch eine improvisierte gemeinschaftliche Offensivaktion oder eine Einzelleistung über Tor oder Nicht-Tor.

Der Star des Teams: Gylfi Sigurdsson

Das unumstrittene Aushängeschild des isländischen Fußballs ist ein ehemaliger Hoffenheimer: Gylfi Sigurdsson, mittlerweile in der Premier League bei Swansea angekommen, spielt derzeit nominell auf der Doppelsechs, hat aber meist eine recht offensive, dominante Rolle inne.
Häufig unterstützt er die ohnehin schon sehr präsente linke Seite, schafft dort Verbindungen, beginnt Dribblings und nutzt offene Räume. Noch etwas augenscheinlicher ist allerdings das Zusammenspiel mit der hängenden Spitze, die ihm oft durch ein Binden oder Herausziehen des Gegners Platz zum Nachstoßen verschafft, sodass Sigurdsson in den offensiven Bereichen seine Schussstärke und Kreativität ausspielen kann. Der Ex-Bundesliga-Profi ist mit Rechtsaußen Gudmundsson wohl der dribbelstärkste Spieler im isländischen Fußball. Hinzu kommt, dass er beeindruckende Standards schlägt. Insgesamt harmoniert er sehr gut mit der aktuellen Offensivbesetzung. Bodvarsson schafft Räume und Stürmer Sigthorssons setzt seine Physis, unorthodox, aber effektiv ein, wovon das nachrückende Mittelfeld um den Premier-League-Star wiederum profitiert.

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