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Gomez & die Nationalmannschaft: Macht eine Rückkehr Sinn?

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Immer mehr Experten und Medien fordern die Rückkehr von Mario Gomez in die Nationalmannschaft. Spätestens nach dem Georgien-Spiel schien für Fußball-Deutschland klar: Wir brauchen wieder einen Torjäger. Doch ist dem wirklich so? Und: Welche Vor- und Nachteile böte es, Mario Gomez wieder im Team zu haben?

gomezzUm festzustellen, wie 'Nationalmannschaft-stauglich' ein Spieler ist, gilt es herauszufiltern, welche Anforderungen von Bundestrainer Joachim Löw an seine Position gestellt werden. Im Falle von Gomez ist das die des vorderen Angreifers.

Die Grundzüge der Ballbesitz-Philosophie der DFB-Elf

Grundsätzlich spielt die deutsche Nationalmannschaft Ballbesitzfußball, der auf möglichst flache und zentrumsnahe Kombinationen ausgerichtet ist. Elementar sind dabei bisweilen extreme Rochaden im gesamten Angriffsdrittel und Überladungen im Zentrum und in den Halbräumen.
Über diagonale oder vertikale Läufe der Offensivspieler wird dann immer wieder versucht, tororientierte Dynamik zu entfachen, während der Ball im Idealfall von den Sechsern und Offensiven im Zentrum so lange gehalten wird, bis sich bespielbare Räume in der Offensive ergeben.
Die Flügelräume sind prinzipiell 'nur' dafür da, die gegnerische Formation auseinanderzuziehen, damit die Schnittstellen zu öffnen, nicht aber um Grundlinienläufe zu starten oder Flanken zu schlagen.

Die Anforderungen an einen Stürmer im Löw-System

Die Rochaden und der hohe Kombinationsfokus erfordern grundsätzlich zwei hauptsächliche Stärken: Einerseits muss der Angreifer im Löw'schen System bewegungsstark sein, andererseits muss er sich in Kombinationen einbinden können. Die positionelle Flexibilität spielt eine große Rolle, um dem Gegner den direkten Zugriff zu erschweren, Übergabeprobleme zu entwickeln und immer wieder andere Winkel für tororientierte Läufe zu finden.
Die räumliche Anpassungsfähigkeit des Stürmers sollte folglich extrem hoch sein. Er muss sich nicht nur horizontal, sondern auch vertikal weiträumig bewegen - und das temporär in engen Räumen unter Berücksichtigung des aktuellen taktischen Kontextes.
In diesen muss dann eine gewisse Stärke in der Ballkontrolle, -mitnahme und -behauptung vorhanden sein, um die Ballsicherheit aufrechtzuerhalten und eine gegnerische Umschaltmöglichkeit zu verhindern. Nadelspielerfähigkeiten - oder zumindest eine gewisse technische Sauberkeit unter Druck - sind entsprechend ebenso wichtige wie Qualitäten im schnellen, direkten und engräumigen Passspiel.

Die alleinige Aufgabe ist es also nicht, Tore zu erzielen: Nicht weniger entscheidend ist es, dass der Stürmer durch eine intelligente Positionsfindung und im Idealfall eine hohe Präsenz Gegenspieler zu binden und Räume für die Tiefenläufe seiner Mitspieler zu öffnen weiß.

Gegen den Ball sollte der DFB-Angreifer zudem bereit sein, weit und intensiv mitzuarbeiten.

Kann Gomez die Anforderungen erfüllen?

Ein Mario Gomez in Form ist wohl einer der lauf- und bewegungsstärksten Angreifer im deutschen Fußball. Der 30-Jährige weicht vor allem gerne auf die Flügel aus, um dort (offene) Räume mit seiner Physis zu attackieren und zu durchbrechen und als Ablagespieler für seine nachrückenden Teamkollegen zu fungieren. Beeindruckend ist hierbei vornehmlich das Timing seiner Läufe, was ihm in vielen Fällen die Möglichkeit auf eine stabile Folgeaktion garantiert. Positionelle Starrheit kann man Gomez insofern kaum vorwerfen, wenngleich seine Bewegungsabläufe sicherlich nicht sonderlich geschmeidig wirken mögen und er offensiv horizontal variabler agiert als vertikal.

Interessant ist überdies hinaus, mit welcher Weitsicht und Intelligenz er sich bewegt. Trotz seines natürlichen Torinstinkts sucht Gomez nicht immer auf Anhieb den direkten Weg in Richtung Tor und eine ballnahe Position. Seine tolle Torquote setzt sich auch daraus zusammen, dass er in der Lage ist, ein bis zwei Spielzüge vorauszudenken, sich selbst Räume zu öffnen, in die er dann später - um in eine Abschlussposition zu gelangen - hineinsprinten kann. In Bezug auf das Bewegungsspiel dürfte Gomez Löws Stürmerprofil folglich in vollem Maße erfüllen. Auch defensiv gibt es wenig Gründe, die gegen den Istanbuler sprechen; zu Bestzeiten gehörte er wohl gar zu den besten Rückwärtspressingspielern Europas.

Aber wie sieht es mit seiner Technik und seinem Kombinationsgeschick aus? Grundsätzlich hat Gomez ein sehr gutes One-Touch-Spiel, was auch seine konstant guten Quoten in dieser Disziplin belegen. Trotzdem ist er wohl kein wirklicher Kombinationsspieler. Zum einen mangelt es ihm ein wenig an Pressingresistenz, zum anderen agiert er in Engen, in denen er sich nicht selbst durch einen dynamischen Lauf gebracht hat, sehr inkonstant. Seine Ballkontrolle und Entscheidungsfindung ist dann teilweise doch sehr ungenau und fahrig, gerade bei dauerhafter Einbindung mehren sich die technischen Fehler. Daher ist er wohl nur bedingt geeignet, um an den so wichtigen Überladungen teilzunehmen und das Kombinationsspiel im Angriffsdrittel zu fördern. 

Fazit

Gomez wird in vielen Dingen unterschätzt - gerade, was seine Bewegungsvielfalt und sein Pressingverhalten betrifft. Was aber der Wahrheit entspricht, ist, dass er Schwächen im technischen Bereich hat - wenn auch nicht in allen Situationen. Deshalb müsste Joachim Löw das System wohl so anpassen, dass Gomez sich nur situativ im Kombinationsspiel integrieren kann, bevorzugt in eigens inszenierten Dynamikszenen. Das allerdings würde die Möglichkeiten der DFB-Elf in der Offensive einschränken. Mit einem Spieler wie Götze in vorderster Front hat die Mannschaft mehr Optionen für die Überladungen und Passstafetten. Gomez zurückzuholen, wäre für Löw also gewissermaßen ein Kompromiss. Der Ex-Münchener bringt interessante Fähigkeiten außerhalb des Strafraums mit und hat den Killerinstinkt im Sechzehnerraum, der in den letzten Spielen so häufig vermisst wurde. Und trotzdem würde die reine Angriffsvorbereitung in puncto Variabilität und Kombinationsstärke wohl unter der Rückkehr des Deutsch-Spaniers leiden.

Bildquelle Gomez

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