{{#image}}
{{/image}}
{{text}} {{subtext}}


Baumjohann als falsche Neun - Leistungsanalyse

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Was haben Nandor Hidegkuti, Johann Cruyff, Francesco Totti, Lionel Messi und Alexander Baumjohann gemeinsam? Richtig: Sie alle liefen in ihrer Karriere schon als falsche Neun auf. Baumjohann feierte sein Debüt in dieser Rolle am vergangenen Samstag auf Schalke.

 

baumiWas ist eine falsche Neun eigentlich?

Die falsche Neun ist ein alleiniger Stürmer, der sich aus unterschiedlichsten Gründen immer wieder flexibel in tiefere Räume fallen lässt, ohne, dass seine Position von einem anderen Spieler eingenommen wird. Das stellt den Gegner vor Übergabe- und Zugriffsprobleme, sodass im Idealfall Räume geöffnet werden oder die falsche Neun ohne direkten Gegenspieler durch die Räume spazieren kann. Zudem können Zonen durch ein Zurückfallen des Fake-Stürmers simpel überladen werden, eine zusätzliche Anspielstation und grundlegend bessere Verbindungen geschaffen werden.

Baumjohanns Leistung & Rolle gegen Schalke (eingewechselt zur zweiten Halbzeit)

47. Minute: Baumjohann fungiert gegen den Ball als Pressingspitze im 4-4-1, läuft Schalkes Aufbauspieler an, findet im 1-gegen-3 aber natürlich keinen direkten Zugriff.

49. Minute: Dadurch, dass Baumjohann meist relativ tief steht und die Außenbahnspieler Kalou oder Cigerci sich in den Halbraum orientieren, sieht es in einzelnen Situationen wie ein verschobenes und vorne enges 4-3-2-0 aus. Im Sturmzentrum taucht Baumjohann bisher kaum auf. Er weicht gerne auf die Flügel oder in den Halbraum aus, bevorzugt auf die rechte Seite, um dort Kombinationen einzuleiten oder Dribblings zu starten.

51. Minute: Mit seiner guten Technik und Beweglichkeit sorgt Baumjohann dafür, dass die Bälle trotz der Unterzahl länger im Angriffsdrittel gehalten werden. Oft sucht der Ex-Schalker die Räume in Ballnähe und bietet sich als kurze Anspielstation an. Was auffällt: Selbst nach Flügeldurchbrüchen rückt er nicht mit in den Sechzehnerraum, sondern bleibt im Rückraum und wartet auf den zweiten Fall.

52. Minute: Jetzt kann Baumjohann nach Ballgewinn mal ein Solo aus der eigenen Hälfte starten. Nach Doppelpass mit Kalou legt er den Ball schließlich auf Darida ab, der zum Abschluss kommt - in einer 3-gegen-5-Unterzahlsituation! Baumjohann macht seine Sache als falsche Neun bisher sehr gut.

57. Minute: Der frühere U-Nationalspieler hat weiter eine sehr flexible, weiträumig ausweichende und kombinationsorientierte Rolle inne. Seine Fähigkeiten in Engen helfen immer wieder dabei, dass Hertha auch ohne hohe Spieleranzahl im dritten Drittel zu produktiven Angriffen kommt.

60. Minute: Baumjohann hat weiter sehr viele Freiheiten. Jetzt orientiert er sich kurzzeitig mal in eine höhere Position und zieht sogar ohne Ball in den Sechzehner, um einen Gegenspieler mitzuziehen und Raum für seine Mitspieler zu öffnen. Von dort kann er dann als kurze Ablagestation genutzt werden.

63. Minute: Der 28-Jährige rückt dynamisch bis in die eigene Hälfte zurück, wird aber mannorientiert verfolgt und kann den etwas ungenauen Pass deshalb nicht entgegennehmen. Zuvor hatte Baumjohann im Angriffsdrittel schon ein Dribbling verloren und damit einen gefährlichen Konter eingeleitet. Zugegeben: Seine Einzelaktion wurde auch schwach abgesichert.

65. Minute: Kalou orientiert sich häufig ins Zentrum, wenn Baumjohann ausweicht und schafft nach Hereingaben - vielfach unterstützt von einem nachstoßenden Mittelfeldspieler - Präsenz im Strafraum.

69. Minute: Im Pressing hat Hertha leicht umgestellt. Baumjohann wird jetzt besser unterstützt, oft durch einen vorschiebenden Sechser, der kurzzeitig auf Geis rückt.

70. Minute: Baumjohann ist mit seiner Kombinationsstärke, Pressingresistenz trotz einzelner Ballverluste nur sehr schwer zu verteidigen. Aktuell zieht es ihn vermehrt nach links, wo er dann vom Flügel aus diagonale Dribblings und das Zusammenspiel mit dem einrückenden Kalou sucht.

73. Minute: Der Berliner Ausgleich! Baumjohann ist entscheidend beteiligt. Der gebürtige Waltroper ist mal wieder auf die Seite ausgewichen, hat sich bei einem Einwurf ballnah angeboten und dann per Hackenpass die Enge aufgelöst. Über Kalou und Weiser landet der Ball anschließend im Strafraum, wo der Ivorer zum 1:1 einköpfen kann.

75. Minute: Baumjohann kann vom linken Flügel in der eigenen Hälfte nach innen dribbelnd nur per Foul gestoppt werden. Seine Dynamik ist für das Berliner Spiel Gold wert. So kann die eigene Defensive immer wieder entlastet werden.

88. Minute: Die falsche Neun alias Alexander Baumjohann startet noch einmal ein Dribbling ins Zentrum, woraus über Umwege etwas glücklich auch eine Großchance von Hegeler resultiert. Der Mittelfeldmann vergibt jedoch die Möglichkeit zur Führung.

90. Minute: 2:1 für Schalke. Baumjohann verliert den Ball in Unterzahl am rechten Flügel des Angriffsdrittels. Schalke gewinnt nach langem Schlag das zweite Duell und spielt über Matip einen Ball in die Schnittstelle der Hertha-Defensive. Meyer trifft schließlich auf Vorarbeit von Leroy Sane. Baumjohann ist hier kein Vorwurf zu machen - in einer derart isolierten Situation und dem Druck eines rückwärtspressenden Aogos war eine Ballsicherung unheimlich schwer.

Fazit: Obwohl es am Ende nicht zu einem Punktgewinn gereicht hat, war die Einwechslung für Baumjohann als falsche Neun für Berlin extrem wichtig. Mit seiner Dynamik, Dribbelstärke und seinen Fähigkeiten als Nadelspieler schaffte es der Kreativspieler immer wieder, gefährliche Angriffe einzuleiten, den Ball so lange zu halten, bis seine Mitspieler nachgerückt sind. Zudem harmonierten seine Bewegungen sehr gut mit denen von Kalou. Vor allem sein Ausweichen auf die Seiten und die dadurch entstehenden kurzzeitigen Überladungen passten oft in den taktischen Kontext. In gewissen Konstellationen könnte Baumjohann dauerhaft zu einer echten Option als Fake-Stürmer werden.

Bildquelle

Zurück

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren