{{#image}}
{{/image}}
{{text}} {{subtext}}


Von Favre zu Schubert - die große Fohlen-Analyse [1]

Veröffentlicht in Taktikanalysen

Mit sage und schreibe 19 Punkten aus sieben Spielen hat Andre Schubert seine ersten Hürden im Bundesliga-Oberhaus gemeistert. Der 44-Jährige übernahm das Traineramt bei Borussia Mönchengladbach, das unter Vorgänger Lucien-Favre zum Krisenklub der Liga verkommen war, am sechsten Spieltag und startete eine einzigartige Serie. Doch wie gut war die Leistung Schuberts bisher wirklich? Was hat er taktisch verändert? Und: Was könnte noch kommen? Teil eins der großen Fohlen-Analyse beginnt mit einem kurzen Rückblick auf die Favre-Zeit.

Die taktischen und personellen Bausteine des Favre-Systems

favre2Mitten im Abstiegskampf hatte sich Lucien Favre Gladbach einst angeschlossen. Vier Jahre später, Anfang 2015 war die Mannschaft taktisch die vielleicht vielseitigste Deutschlands. Wegen des sauberen Positionsspiels und der schnellen Kurzpassstafetten, die die Favre-Elf aufzog, wurde gar der Begriff "Borussia Barcelona" geboren. Doch Favres Ansatz war eigentlich ein anderer. Für den Schweizer hatte die Defensive von Tag eins an Priorität. Erst, nachdem die Mannschaft eine Grundstabilität erreicht hatte und das Konterspiel beherrschte, verwarf Favre seinen Pragmatismus ein Stück weit und lehrte ihr den Ballbesitzfußball.

Die favorisierte Grundformation des Fußball-Lehrers war hierbei ein wenig spektakuläres 4-4-2, das tatsächlich aber nur auf dem Papier existierte. Favre selbst hatte kurz vor seinem Rücktritt noch erklärt, dass diese Formation zu flach sei, um den Ball zirkulieren lassen. Schließlich bedarf es hierfür Dreiecke und Diamanten, damit in Ballnähe stets ausreichend Anspielmöglichkeiten und Übergänge in andere Zonen vorhanden seien.

Wichtige Bausteine waren für Favre in diesem Zusammenhang die veränderten Rollen seiner Angreifer. Der 58-Jährige beschrieb seine Spitzen gerne als Neuneinhalber, weil sie wenig typische Stürmer-Aufgaben inne hatten, sondern sich immer wieder weit und flexibel in die Mittelräume fallen ließen, so Verbindungen herstellten und Räume überluden. Mit der Zeit und einigen personellen Wechseln auf den Sturmpositionen kam Favre seinem Idealbild immer näher. Kruse und Raffael waren mit ihren Spieleigenschaften wohl die perfekten Neuneinhalber für sein System.

Doch so beeindruckend das Positions- und Kombinationsspiel Gladbachs auch gewesen sein mag. Fast noch bemerkenswerter war es, mit welcher Disziplin und Konstanz die Borussia ihre Defensivaufgaben Woche für Woche meisterte. Favre verzichtete im Spiel gegen den Ball auf Dominanz. Vielmehr wollte er den Raum kontrollieren und es dem Gegner so schwer wie möglich machen, die Gladbacher Mittelfeldzone zu überbrücken. Meist verteidigten die Fohlen in einem Bundesliga-typischen 4-4-2-Mittelfeld- oder Abwehrpressing. Der Unterschied im Vergleich zu vielen anderen Bundesliga-Mannschaften war die Perfektion im taktischen Detail.

Kaum ein Team agierte in den gruppen- und mannschaftstaktischen Prozessen derart diszipliniert und sauber wie Gladbach. Das ballorientierte Verschieben, das Absichern im Dreieck und Herausrücken, das Halten der vertikalen Abstände - in all diesen Aspekten bewegten sich die Fohlen auf höchstem Niveau, wobei die Ausführung im Laufe der Zeit mit der gesteigerten Qualität im Kader immer wieder ein Stück stärker wurde. Mit Sechser Christoph Kramer schien Favre den letzten Baustein für sein System gefunden zu haben. Der Weltmeister wusste mit seiner Laufstärke und Spielintelligenz vor allem die Bewegungen des defensivtaktisch teilweise unkoordinierten Xhakas perfekt auszubalancieren. Kein Zufall, dass die Gegner in der Saison 14/15 - der vielleicht stärksten Gladbacher Spielzeit unter Favre - 51 Prozent ihrer Torschüsse außerhalb des Fohlen-Strafraums abgaben.

                                                                Die Krise

kramer2Doch jede Erfolgsgeschichte hat bekanntlich irgendwann ein Ende. Mit den Abgängen von Christoph Kramer und Max Kruse stand Gladbach vor der Misere, zwei Spieler ersetzen zu müssen, die ideal in das Favre-System gepasst hatten. Dass dies eine mehr als nur schwierige Aufgabe war, zeigten die personellen Wechselspielchen, die Favre - eigentlich untypisch für ihn - während der ersten Saisonspiele betrieb. Die Räume, die durch Xhakas Bewegungen geöffnet wurden, konnten plötzlich nicht mehr geschlossen werden. Kramers Qualität als Balancegeber, der sich im richtigen Moment absichernd positioniert, fehlte. Der aus Hannover gekommene Lars Stindl war nicht in der Lage, diese Aufgaben zu übernehmen, weil er schlichtweg ein anderer Spielertyp ist als Kramer. Während das Duo Xhaka/Kramer die perfekte Symbiose aus Aktivität und passiver Absicherung war, hatten Xhaka und Stindl defensiv wie offensiv große Probleme, sich aufeinander einzustellen. Häufig rückten beide gleichzeitig heraus. Wenn die Pressingsituation dann nicht gewonnen wurde, war es dem Gegner vielfach ein Leichtes, sich durch den entblößten Sechserraum zu kombinieren. Keiner der beiden lief die Räume zu, die der jeweils andere verließ. Die Folge war, dass Favre sich dazu entschloss, mit Jantschke und Nordtveit ein defensiveres Sechserpärchen auflaufen zu lassen (Xhaka war zwischenzeitlich gesperrt). Das sorgte kurzzeitig zwar tatsächlich für etwas mehr Stabilität im Sechserraum, führte zugleich aber zu neuen Probemen. Da Angreifer Raffael seine Defensivaufgaben nur in einem überschaubaren Rahmen annahm und die Sechser sich häufig sehr tief vor der Vierabwehrkette bewegten, entstand zwischen Angriff und Sechserraum ein riesiges Loch, das der Gegner bei passender Offensivstruktur nach Belieben attackieren konnte. Die Defensivschwächen wurden damit nicht behoben, sondern lediglich verlagert. Hinzu kam, dass Jantschke und Nordtveit am Spielaufbau kaum konstruktiv teilnahmen.

Umso größer wurde die Abhängigkeit von den angesprochenen Bewegungen der Neuneinhalber. Max Kruse hatte hier in der vergangenen Saison nicht nur mit seiner enormen Laufstärke punkten können, sondern auch mit viel Kombinationsgeschick und einem tollen Gespür für Räume. Der Neu-Wolfsburger war einer der wichtigsten Spieler für das Positionsspiel, der kleinere Strukturschwächen im Ballbesitz oft ausgleichen konnte. Der von Bayer Leverkusen verpflichtete Drmic verfügt jedoch weder über die Spielstärke und Kreativität eines Kruses, noch fällt er derart weit ins Mittelfeld zurück wie es der Nationalspieler mit Vorliebe tut. Damit wurde die Last auf Raffael phasenweise sehr extrem. Der Brasilianer hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch mit einem Formloch zu kämpfen.

In dieser Phase, als das System vom Einsturz bedroht war, machte sich schließlich auch das Fehlen von Martin Stranzl bemerkbar. Bisher waren Ausfälle von Schlüsselspielern stets durch die klaren und strukturfesten Abläufe kompensiert worden. Das gelang fortan nicht mehr. Favre schien sich nach nur fünf Spieltagen nicht mehr zuzutrauen, die Mannschaft wieder auf den richtigen Weg führen zu können. Er trat zurück. Andre Schubert übernahm. 

Anmerkung: Der Rückblick auf das System und die Krise unter Lucien Favre dient vor allem als Wissens-Auffrischung. Er stellt die Grundlage dar, um die Veränderungen von Schubert beleuchten zu können. Diese bauen in vielen Bereichen nämlich auf den Favre'schen Bausteinen auf und lösten viele Probleme der ersten Saisonspiele. Näheres zu Schuberts "Erste-Hilfe-Maßnahmen", den Entwicklungsprozessen unter dem Ex-Paderborner und seinem Coaching-Verhalten folgt in Teil zwei.

Bildquelle Favre Bildquelle Kramer

Zurück

Kommentare   

#3 Korosh Mosavi 2016-01-01 22:34
Hallo Kevin/Toorschuss-Team,

kein Problem. Bin halt was ungeduldig :) Ihr habt natürlich Recht und ich warte es gern ab.

vg
#2 Kevin Leyk 2015-12-27 20:55
Hallo Korosh.

Spätestens in den ersten Januartagen. Tut uns Leid, dass es so lange gedauert hat. Allerdings wollten wir die spannenden Entwicklungen der letzten Wochen (Dreierkette, Umgang mit der Manndeckung gegen Bremen) noch einmal aufarbeiten, um die Analyse dann tatsächlich auch vollständig halten zu können.

Viele Grüße,
das Toorschuss-Team
#1 Korosh Mosavi 2015-12-27 14:03
Wann erscheint die zweite Hälfte dieser Analyse?

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren