{{#image}}
{{/image}}
{{text}} {{subtext}}


Carlo Ancelotti:Sein (taktischer) Weg zum Bayen-Trainer

Veröffentlicht in Top-News

Carlo Ancelotti wird neuer Trainer des FC Bayern. Der Italiener gewann in seiner ruhmreichen Karriere bereits vier Champions-League-Trophäen, zuletzt mit Real Madrid. Nach der vergangenen Spielzeit wurde der 56-Jährige schließlich durch Rafa Benitez - einem alten Bekannten - ersetzt. Seither war Ancelotti ohne Verein. Das wird sich ab dem kommenden Sommer wieder ändern. Doch wer ist der Mann eigentlich, der vielerorts liebevoll "Carletto" genannt wird? Welcher Philosphie hat er sich verschrieben? Ein Rückblick auf das vielleicht erfolgreichste Kapitel seiner Trainerzeit.

anceAls Spieler gewann Ancelotti mit dem AC Mailand zweimal den Europapokal der Landesmeister. Dort sollte im November 2001 schließlich auch seine große Zeit als Trainer beginnen, nachdem er im Sommer bei Juventus Turin nach dem Ausscheiden aus der Champions-League-Gruppenphase seine Koffer packen musste.

Schon damals ließen sich die Grundzüge seiner Philosophie erahnen. Statt das System der Mannschaft in völlig neue Bahnen zu lenken, wählte Ancelotti einen pragmatischen Ansatz, indem er auf der Arbeit seines Vorgängers aufbaute. Der Erfolgstrainer behielt die von Fatih Terim bevorzugte Grundordnung bei und passte lediglich kleinere Details in der Raumaufteilung an. Zudem stimmte Ancelotti das Personal etwas stärker auf die anstehenden Aufgaben und Gegner ab. Trotzdem lebte Milan im Ballbesitz zunächst lange Zeit von seiner individuellen Klasse. Andrea Pirlo, damals noch als Zehner eingesetzt, war das Hirn der Mannschaft, wobei sein Stern erst richtig aufgehen sollte, als er wenig später auf die Sechserposition versetzt wurde. Vorne verließ sich Ancelotti auf die Qualitäten von Schlitzohr Inzaghi und den Ukrainer Shevchenko. Die Abläufe in der Angriffszone wirkten sehr frei und improvisiert, führten dank guter Ideen von Pirlo & Co. aber immer wieder zum Erfolg. Ancelotti schloss seine Debütsaison mit dem AC Mailand auf dem vierten Platz ab. Dennoch war damals nicht einmal im Ansatz zu erahnen, dass Ancelotti Jahre später der Nachfolger eines Trainers werden würde, der für die neue Generation des Ballbesitzfußballs steht wie kaum jemand anderes.

Im zweiten Jahr implementierte Ancelotti schließlich ein bedeutend flexibleres Offensivsystem. Die Raumbesetzung war weniger starr, die Stürmer wichen häufiger aus. Pirlo ging auf die Sechserposition und hatte von dort aus wesentlich mehr Einfluss auf den Spielaufbau. Hinzu kam, dass die personelle Ausrichtung ein wenig offensiver wurde, Ancelotti zudem formativ vermehrt - wenn auch eher im Detail - umstellte. Und obwohl die Meisterschaft erneut verpasst wurde, konnte sich Ancelotti in Mailand ein Denkmal setzen: Er holte den Champions-League-Titel in die italienische Großstadt.

Auch wenn das damalige Milan-System weiterhin nicht sonderlich spektakulär, geschweige denn revolutionär war, hatte der Mann aus Reggiolo zumindest den Nachweis erbracht, einer Mannschaft auch eine offensive Idee vermitteln zu können. In den nächsten Jahren gab es mannschaftstaktisch kaum mehr nennenswerte Entwicklungen. Trotzdem schaffte es Ancelotti, das Niveau der Mannschaft noch einmal zu steigern. Als sich die Ära von Rui Costa dem Ende zuneigte, trat Kaka aus dessen Schatten und prägte eine neue Generation. Mit ihm wurde die in dieser Zeit Milan-typische Mittelfeldraute noch stabiler, flexibler und durchschlagskräftiger.

2005 erlebte Ancelotti schließlich den vielleicht denkwürdigsten Abend seiner Mailand-Zeit. Sein Team gab das Champions-League-Finale am Bosporus gegen den FC Liverpool nach einer hochverdienten 3:0-Halbzeitführung noch aus der Hand. Rafa Benitez hatte Ancelotti und dessen System dank einer Umstellung die Grenzen aufzeigen können. In den ersten 45 Minuten hatte Milan das Zentrum noch nach Belieben dominiert, dem 4-4-2 des Gegners in den Mittelfeldräumen den Schneid abgekauft. Benitez reagierte, stellte zur Pause auf ein 3-4-2-1 um und rettete sein Team damit ins Elfmeterschießen. Liverpool gewann im Zentrum durch die höhere personelle Präsenz das Oberwasser und konterte die Milan-Raute damit gnadenlos aus. Die Zuordnungen waren plötzlich unklar, die Reds marschierten ein ums andere Mal durch die Mittelfeldräume. Ancelotti verpasste es zu reagieren, tauschte die Raumbesetzung erst in der Endphase - beim Stande von 3:3.

Zwei Jahre später gab es schließlich das große Wiedersehen. Ancelotti traf im Champions-League-Finale erneut auf den FC Liverpool und Rafa Benitez. Rein taktisch hatte sich auf Seiten der Rossoneri seither wenig getan. Die Grundordnung wurde leicht verändert. Ancelotti setzte nun vermehrt auf ein 4-3-2-1, wobei die Mechanismen des Systems dieselben blieben wie zuvor. Liverpool dominierte Milan zwar, doch Inzaghi brachte die Ancelotti-Elf noch vor der Pause in Führung. Im zweiten Durchgang bewies der zukünftige Münchener dann, dass ihm die legendäre Nacht von Istanbul eine Lehre war. Er zog seine Mannschaft ins eigene Drittel zurück, ließ Liverpool anrennen und spekulierte auf den entscheidenden Konter. Am Ende konnte Mailand mit einem 2:1-Erfolg die große Revanche und damit den zweiten Champions-League-Titel unter Ancelotti feiern. 2009 wechselte er schließlich zum FC Chelsea. Teil zwei folgt.

Bildquelle

Zurück

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren