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Wie die Klopp-Elf den Tabellenführer schlug

Veröffentlicht in Top-News

Die Amtszeit von Jürgen Klopp an der Anfield Road war rein sportlich gesehen bisher eine Achterbahnfahrt. Nach einem tollen Start geriet der 48-Jährige in den vergangenen Wochen erstmals in die Kritik. Doch mit dem Erfolg über Tabellenführer Leicester City hat sich der FC Liverpool eindrucksvoll zurückgemeldet. Vielleicht sogar im Rennen um die direkten Champions-League-Plätze. Aber war die Leistung auch so gut wie das Ergebnis?

kloppelDie Erwartungen auf der Insel nach der Klopp-Verpflichtung waren natürlich, dass der einstige Meistertrainer bei den Reds ein ähnliches intensives, aggressives Pressingsystem implementieren würde wie in Dortmund. Und das möglichst schnell. Die ersten Ansätze waren durchaus vielversprechend: Liverpool schaffte den Wandel zu mehr Aktivität gegen den Ball tatsächlich bereits innerhalb weniger Spiele. Dann aber zeigte sich zunehmend, dass die Klopp-Elf noch Probleme in der Feinabstimmung hat. Vor allem das Mittelfeld und die Endverteidigung hat dem Fußball-Lehrer in den vergangenen Wochen große Sorgen bereitet. Eine Unsauberkeit in den Pressingabläufen jagte die nächste, dazu gesellte sich eine Anfälligkeit nach Standards.

Gerade medial wurde außerdem kritisiert, dass Klopp noch keine Stammelf und keine feste Formation gefunden habe. Seine vielen Wechsel in der Personal- und Systemfrage seien ein Zeichen einer fehlenden Linie. Zumindest in dem Aspekt darf der 48-Jährige wohl in Schutz genommen werden. Viele Umstellungen waren taktisch begründet. Vor allem im Sturm richtet sich Klopp gerne an der Aufgabe aus, sodass mal Benteke, mal Firmino und mal Origi den Vorzug auf der Neunerposition bekam. Im Spitzenspiel gegen Leicester erhielt nun Letztgenannter den begehrten Startplatz im Angriff. Mit dem jungen Belgier wollte Klopp wohl eine gewisse physische Präsenz in den vorderen Zonen wahren, aber dennoch eine hohe Flexibilität erreichen. Denn im Vergleich zu Benteke hat Origi einen wesentlich höheren Aktionsradius. Der Youngster wich häufig aus, stärkte damit die Flügelangriffe gemeinsam mit einem der beiden Sechser, vornehmlich mit dem omnipräsenten Can. Kein Zufall, dass das Offensivspiel der Reds etwas simpler wurde, als Origi das Feld verletzungsbedingt verlassen musste und Benteke seine Position übernahm.

In den vergangenen Wochen hatte sich Liverpool im eigenen Ballbesitz teilweise schon zu extrem auf die Flügel leiten lassen, was schließlich auch nur wechselnden Erfolg einbringen sollte. Gegen Chelsea schaffte es der Traditionsklub dank der Passivität des Gegners immer wieder, sich von der Außenbahn nach innen zu kombinieren und die gegnerische Endverteidigung nicht ausschließlich mit Flanken befeuern zu müssen. In vielen Partien aber führte der Flügelfokus zu zahlreichen isolierten Situationen, aus denen der LFC sich nicht zu befreien musste. So war es auch am Boxing Day. Wenn Liverpool nämlich über die Flügel aufbaute, konnte Leicester auf den Seiten leicht Überzahl herstellen und die umliegenden Passoptionen abklemmen. Lallana und Coutinho bewegten sich wie gewohnt früh in die Halbräume und schafften damit Platz für die nachstoßenden Außenverteidiger. Zehner Firmino trieb es zudem vielfach auf die Höhe des Stürmers. Aus diesen Strukturen heraus entsprangen hin und wieder auch durchaus ordentliche Kombinationsansätze. Oft mussten sich die Reds jedoch mit Halbfeldflanken begnügen, die erwartungsgemäß wenig erfolgsstabil waren.

Zur zweiten Halbzeit passte Klopp die Ballbesitzabläufe seiner Mannschaft an. Die Doppelsechs, Can und Henderson, hielt im Aufbau nicht mehr konsequent den Sechserraum. Stattdessen orientierte sich einer der beiden oft in die höheren Zwischenräume. Dazu unterstützten beide auf den Flügeln und sorgten damit kurzzeitig für Raumüberladungen. Dadurch wurde zum einen der Ausfall von Origi kompensiert, zum anderen konnte die zunehmende Passivität des Gegners ordentlich bespielt werden. Am Ende war es sinnbindlich, dass das 1:0 nach einem Einwurf der Reds fiel, nach welchem sie sich aus einer engen Situation spielerisch befreien konnten. Benteke trug sich nach Firmino-Vorarbeit in die Torschützenliste ein.

Ob die Partie nach den harten Vorwochen nun der große Befreiungsschlag für Klopp war, bleibt abzuwarten. Gewissermaßen gelang es ihm, die eigenen Schwächen im Ballbesitzspiel durch kleinere Anpassungen und mit freundlicher Mithilfe eines passiven Gegners zu kaschieren. Ein großer taktischer Fortschritt war das Spiel eher nicht. Dennoch hat Liverpool Punkte auf die Spitzengruppe gut gemacht. Der Rückstand auf Platz drei beträgt zwar noch acht Zähler, jedoch scheint den Konkurrenten ebenfalls noch die Konstanz zu fehlen. So richtig bewerten wird man die Klopp'sche Arbeit in England allerdings wohl ohnehin erst in der kommenden Saison. Eine Vorbereitung wird der Ex-Dortmunder mit seiner Mannschaft nämlich auch über den Winter nicht haben.

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