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Welche Taktik-Pläne hat Ancelotti beim FC Bayern?

Veröffentlicht in Top-News

Carlo Ancelotti wird neuer Trainer des FC Bayern. Der Italiener gewann in seiner ruhmreichen Karriere bereits drei Champions-League-Trophäen, seine Letzte mit Real Madrid. Nach Ablauf der vergangenen Spielzeit wurde der 56-Jährige bei den Königsblauen durch Rafa Benitez - einen alten Bekannten - ersetzt. Seither war er ohne Verein. Das wird sich ab dem kommenden Sommer ändern. Doch wer ist der Mann eigentlich, der vielerorts liebevoll "Carletto" genannt wird? Welcher Philosphie hat er sich verschrieben? Ein Ausblick auf seine möglichen taktischen Pläne in Deutschland. Teil vier.

anceWeg vom Ballbesitz...?

Nicht unwahrscheinlich, dass der FC Bayern einen vergleichsweise ruhigen Transfersommer erleben wird. Ancelotti dürfte keine großen Ansprüche auf Kaderveränderungen stellen, sondern zu großen Teilen mit dem aktuellen Spielermaterial arbeiten wollen. Auch das ist übrigens mit seiner Philosophie zu begründen: Ancelotti hat kein idealistisches Bild vom perfekten Fußball vor Augen, für das gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Stattdessen favorisiert er es, das seiner Meinung nach Bestmögliche aus den vorhandenen Strukturen herauszuholen.

Die langjährige Basis der Bayern, das Ballbesitz- und Positionsspiel, wird Ancelotti entsprechend kaum kippen. Allerdings ist davon auszugehen, dass er den Dominanzanspruch weniger extrem ausleben wird als sein Vorgänger. Selbst in Paris und Madrid zog es der Mann aus Reggiolo gegen hochklassige Gegner teilweise vor, die Spielkontrolle abzugeben, um die Konterstärke seiner Spieler zum Vorschein zu bringen. Mit Douglas Costa, Kingsley Coman, dem wuchtigen Arturo Vidal und, wenn fit, natürlich auch Franck Ribery und Arjen Robben werden Ancelotti reichlich PS zur Verfügung stehen, von denen er für das Umschaltspiel auf Offensive sicher Gebrauch machen wird. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass auch dies keine weltbewegende Neuerung im bayerischen Spiel wäre. Schon in dieser Spielzeit hatte der Rekordmeister viele gute Konterszenen. Der Unterschied könnte schlichtweg darin liegen, dass Konter bisher vorzugsweise situativ und nicht als Hauptaugenmerk der taktisch-strategischen Ausrichtung genutzt wurden.

Im Ballbesitz wird Ancelotti von der Vorarbeit Guardiolas und Louis van Gaals profitieren. Das Positionsspiel der Mannschaft ist auf einem derart hohem Niveau angekommen, dass eine Grundqualität selbst bei gröberen Umstellungen kaum verloren gehen würde. Zumal das Team extrem spielintelligent ist, ein herausragendes Gespür für Spielsituationen und Räume besitzt. Gut möglich, dass Ancelotti viele Abläufe und Ideen aus der Guardiola-Zeit sogar Eins-zu-eins beibehalten oder nur minimal anpassen wird. Der Italiener forcierte bei einigen Stationen beispielsweise ebenfalls schnelle Positionswechsel in den Offensivräumen, sodass er die Vielseitigkeit vieler Spieler auf diesem Wege sicherlich zur Geltung bringen wird. Im Mittelfeld und in der Abwehr wird sein System vermutlich eher starr und einfach angelegt sein, in den Angriffsräumen dürfte er Robben, Müller, Lewandowski & Co. aber durchaus einige Freiheiten zugestehen. Im Allgemeinen könnten die strikten Vorgaben und Extreme (beispielsweise die enorm hohe Verteidigungslinie unter Guardiola) ein wenig aufgelockert werden.

Die Formations-, System- und Personalfrage

Was auffällt: Ancelotti arbeitete bei all seinen Klubs konsequent mit einer Viererkette und setzte stets auf ein Übergewicht im Zentrum. Die genaue Anordnung der Mittelfeld- und Sturmbesetzung machte er aber in aller Regel vom Spielermaterial abhängig. Möglich erscheint, dass der mehrfache Champions-League-Gewinner sich im Laufe der Saison auf zwei oder drei, maximal vier Formationen festlegen wird, die er je nach Gegner und eigener Personalsituation nutzen wird. Ähnlich war sein Vorgehen in der Vergangenheit. Ausgeschlossen ist dabei aber selbst nicht, dass er plötzlich mit einer Dreierkette aufwarten wird. Schließlich hat der Starcoach häufig genug bewiesen, sich trotz seines eher konservativen Taktik-Ansatzes keinesfalls für neue Ideen zu verschließen.

Lewandowski wird unter Ancelotti aller Voraussicht nach seinen festen Platz im Team finden. Angeblich soll er seine Unterschrift in München sogar von einem Verbleib des Polen abhängig gemacht haben. Ob es dann in den überwiegenden Spielen letztlich auf eine Doppelspitze, ein 4-1-4-1/4-3-3 oder vielleicht sogar eine völlig andere Formation hinauslaufen wird, dürfte vor allem durch Ancelottis Personalpoltiik entschieden werden. Sieht er Müller wie so viele seiner Vorgänger als unverzichtbar an? Traut er Götze gleich einen Stammplatz zu? Sogar eine Milan-ähnliche Grundordnung mit einem Zehner, zwei Achtern und einem Sechser scheint denkbar. Götze käme in dem Fall wohl für die Zehnerrolle in Frage, während Vidal und Thiago nach jetzigem Stand die aussichtsreichsten Kandidaten für die Halbpositionen wären.

Sollte er sein Madrid-System gewissermaßen adaptieren wollen (wo Xabi Alonso als Mann neben Luka Modric ein wichtiger Baustein war), könnten Douglas Costa und David Alaba wohl am ehesten die Di-Maria-Hybrid-Aufgaben übernehmen. Beide fühlen sich schließlich sowohl als Breitengeber als auch als Halbraumspieler wohl, bestechen durch eine extreme Dynamik und könnten die von Ancelotti gewünschte Vertikalität ins bayerische Spiel bringen. 

In welchen Aspekten kann Ancelotti Guardiola (nicht) ersetzen?

Als die größte Stärke Ancelottis gilt seit Jahren die Mannschaftsführung. Mit zwischenmenschlichen Probleme ist deshalb kaum zu rechnen. Vielleicht wird er den Fokus sogar wieder etwas mehr auf die Beziehungen zwischen Mannschaft und Trainer legen und die Taktik zwar weiterhin als eines der Hauptaspekte bewerten, aber nicht sämtliche Einheiten und Ansprachen ausschließlich auf sie ausrichten. Interessant: Während Ancelotti das erste Training in Madrid mit simplen Passfolgen ohne Gegnerdruck füllte, lehrte Guardiola seiner Mannschaft beim Bayern-Auftakt gleich das Absichern im Dreieck und die berüchtigten Positionsspiele.

Sicherlich werden die Bayern in taktischen Fragen ein wenig berechenbarer. Inwiefern dies mit einem Qualitätsverlust einhergehen wird, wird die Zukunft zeigen. Garantiert ist das nicht. Allerdings: Gerade in Sachen Gegneranpassungen ist Ancelotti nicht ansatzweise so detailversessen wie sein Vorgänger. Auch das ist jedoch weniger ein Kritikpunkt an der Arbeit des Italieners, sondern vielmehr eine Philosophiefrage. Ancelotti ist in gegnerbezogenen Umstellungen etwas radikaler und bereit, die strategische Ausrichtung in einzelnen Spielen komplett umzuschmeißen. Guardiola konzentriert sich hingegen im Rahmen des Systems und seiner fußballerischen Ideal-Vorstellung darauf, die taktischen Schwächen des Gegners aufzudecken. Das Beeindruckende war hierbei oft, dass er es geschafft hat, die eigenen Möglichkeiten perfekt auf die Defizite des Kontrahenten abzustimmen, ohne die Spieler in ungeliebte oder unpassende Rollen zwingen zu müssen. Unter Ancelotti wird es für den Großteil des Kaders vermutlich eher gleichbleibende Positionen und Aufgaben geben, was eben auch damit zusammenhängt, dass er sich weniger - aber zumindest in einer anderen Form - am Gegner orientiert als Guardiola.

Ähnlich verhält es sich im Coaching. Die vielleicht größte Stärke des jetzigen Bayern-Trainers ist es, ein Spiel zu lesen und zu interpretieren, um dann auf die Erkenntnisse - bei Bedarf auch mehrfach pro Spiel - zu reagieren. Wenn Ancelotti Anpassungen vornimmt, sind diese zumeist ebenfalls weniger detailliert auf konkrete Verhaltensweisen des Gegners abgestimmt. Gerade, wenn die Bayern zu Spielbeginn Probleme hatten, sich auf den Matchplan des Gegners einzustellen, konnte Guardiola der Partie mit seinen Eingriffen oft eine entscheidende Wendung geben. Dass Ancelotti dies in der Extremität und Konstanz ebenfalls gelingen wird, ist kaum anzunehmen.

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