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Wie Tuchel-tauglich ist der BVB-Kader?

Veröffentlicht in Top-News

Im Sommer hat Thomas Tuchel die ersten Spieler für seinen Traum vom Ballbesitzfußball eingekauft. Spieler, für die der 42-Jährige im neuen BVB-System keine Verwendung gesehen hat, verließen den Verein. Auf einigen Positionen musste Tuchel jedoch wohl auch Kompromisse eingehen. Im Winter, spätestens im Sommer, könnte daher das große Stühlerücken beginnen. Nicht alle Spieler des aktuellen Kaders passen zu den Vorstellungen des Neu-Coaches.

tuchelchenDie Entscheidung gegen Roman Weidenfeller und pro Roman Bürki als neue Nummer eins im Dortmunder Tor war vermutlich vor allem eine für den vermeintlich systemtauglicheren Keeper. Schon in der Vorbereitung drückte Tuchel Bürki in eine recht dominante Rolle, indem im 4-1-4-1 auf ein Abkippen des Sechsers verzichtet, der Schweizer dafür stärker in das Aufbauspiel eingebunden wurde. Dass die größere Fokussierung des Torwarts allerdings auch Risiken birgt, hat sich in dieser Spielzeit bereits mehrfach gezeigt. Bürki unterliefen unter Druck einige Pass- und Entscheidungsfehler. Dennoch ist seine Passquote in der Hinrunde bedeutend besser als die von Konkurrent Weidenfeller im vergangenen Jahr: Bisher brachte der Ex-Freiburger 74 Prozent seiner Pässe an den Mann. Weidenfellers Passquote lag in der letzten Saison bei nur 63 Prozent, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Werte in einem anderen System und entsprechend unter anderen Voraussetzungen zustande kamen.

Bürki offenbarte in seinem Debüt-Jahr im schwarzgelben Dress einzelne Schwächen im Raumverhalten sowie im Abwehren von Schüssen, die er in einigen Fällen nämlich nur unsauber und nicht aus den abschlussrelevanten Bereichen zu klären wusste. In Richtung Sommer-Transferperiode dürfte abgerechnet und ein Fazit gezogen werden. In Bezug auf die Personalplanung wird viel von der weiteren Entwicklung Bürkis abhängen. Von einer kompletten Neubesetzung der Torhüterpositionen bis zu einem Verbleib beider Keeper scheinen sämtliche Gedankenspiele denkbar, auch wenn die BVB-Verantwortlichen in den letzten Tagen mehrfach betont haben, Weidenfellers Vertrag gerne um ein Jahr verlängern zu wollen. Mit Hannovers Ron-Robert Zieler könnte im Sommer ein unterschätzter Torwart auf den Markt kommen, der im Linienspiel keine wirklichen Schwächen hat und technisch wie taktisch zu den Besten der Liga gehört. Würde der Weltmeister tatsächlich beim BVB anheuern, könnte die Tuchel-Truppe im Torwartspiel in puncto Pressingresistenz sowie Passsicherheit und -intelligenz unter Umständen noch einmal einen gewaltigen Sprung nach vorne machen.

Ein viel diskutiertes Thema sind in Dortmund außerdem seit vielen Monaten und Jahren die Außenverteidigerpositionen. Marcel Schmelzer mag auf dem ersten Blick nicht der Idealtypus eines Ballbesitzspielers sein, allerdings hat Tuchel die Rolle des Linksverteidigers gut auf seine Stärken und Schwächen abgestimmt. Vor allem seine Qualitäten im Gegenpressing wurden gut eingebunden, dazu konnte er sich insbesondere während der ersten Saisonphase auch offensiv in Szene setzen. Mit Park kam als Schmelzer-Backup/-Konkurrent ein extrem spielintelligenter Akteur zum Champions-League-Kandidaten, der wohl gerade im Aufbauspiel bei Bedarf noch mehr Stabilität garantieren sollte. Die Linksverteidigerposition im BVB-System sah es in vielen Spielen vor, gegen den Ball den Raum halblinks neben Sechser Weigl zu besetzen. Park fühlt sich genau dort wohl, kann sowohl links breit als auch eingerückt und absichernd spielen. Insofern war der Transfer entgegen der allgemeinen Meinung durchaus nachvollziehbar. Jedoch scheint der Südkoreaner aktuell noch erhebliche Schwierigkeiten zu haben, sich in Dortmund zu akklimatisieren. Sollte ihm das auch im nächsten Halbjahr nicht gelingen, könnte seine Zeit in Westfalen schnell wieder zu Ende gehen.

Ähnlich offen sind die Perspektiven auf der rechten Abwehrseite. Das Vorhaben der Klubbosse dürfte vor allem von den Leistungen Ginters in der Rückserie beeinflusst werden, der sich wohl Hoffnungen auf ein Dauerabo in der Startelf macht. Lukasz Piszczek ist trotz einzelner Diagonalläufe zwar ein vergleichsweise linearer, simpler Spieler auf der rechten Außenbahn. In einer Rolle als ballferne Anspielstation hat er im BVB-Kader aber ohne Zweifel seine Daseinsberechtigung. Schließlich ist es eine seiner Stärken offene Räume wuchtig anzulaufen und zu attackieren. Ob der Pole sich im Sommer eine neue Herausforderung suchen oder seinen Aufenthalt bei der Borussia verlängern wird, könnte vor allem von den taktischen Plänen Tuchels und den daraus entstehenden Anforderungen an die Rechtsverteidigerposition abhängen. Piszczek funktioniert in fast allen Kontexten sehr ordentlich, dennoch könnte es für gewisse Aufgaben, beispielsweise im Spielaufbau, passendere Spieler für das Tuchel-System geben. Im Falle Erik Durm wird der Fußball-Lehrer vermutlich abwarten, auf welchem Niveau sich dieser nach seiner langen Verletzungspause präsentieren wird. Theoretisch könnte der 23-Jährige für beide Seiten eine Option werden, wenngleich ihm Tuchel dann vermutlich eine etwas andere Rolle übertragen würde als Schmelzer/Park bzw. Ginter/Piszczek.

Im Abwehrzentrum hat sich Sven Bender in den vergangenen Wochen vermehrt in den Fokus spielen können. Während ihm für eine dominante Rolle als Deeplying-Playmaker die Konstanz und Reichweite im Passspiel fehlt, kommen ihm die stabilisierenden Aufbauaufgaben neben Hummels deutlich eher entgegen. Subotic scheint unter Tuchel keine Rolle mehr zu spielen. Sokratis lebt vor allem von seiner Physis und Qualität im Zweikampf. Der Grieche ist zwar kein schlechter Aufbauspieler, in vielen Facetten des Ballbesitzspiels aber doch limitiert. Insofern ist auf der Innenverteidigerposition, wenn es um die reine Qualität im Ballbesitz geht, durchaus noch Luft nach oben. Sollte Tuchel sich alsbald auf die Suche nach einem neuen Innenverteidiger begeben, könnte Marc Bartra ein interessanter Kandidat sein. Der 24-Jährige liebäugelt bereits seit längerem mit einem Abgang aus Barcelona. Bartra vereint Dynamik, Physis und einen Hang zum Vorwärtsverteidigen bzw. Herausrücken mit einem flexiblen Aufbauspiel. Er trifft oft gute und kreative Entscheidungen im Passspiel und hat den Mut, freie Räume mit längeren Läufen zu attackieren. Die Ballbesitzmöglichkeiten des BVB würde Bartra definitiv erhöhen. Damit dürfte er besser in die Tuchel-Philosophie passen als Subotic, Sokratis und mit Abstrichen Bender. Teil zwei folgt.

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