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Wie Leipzig Union besiegte

Veröffentlicht in Top-News

Dass Leipzig den Aufstieg in die Bundesliga noch verpasst, scheint ähnlich unwahrscheinlich wie ein Titelgewinn Islands bei der anstehenden Euro. Am Freitagabend feierten die Bullen einen verdienten 3:0-Sieg gegen Union Berlin. Ralf Rangnick hatte das Trainerduell gegen Taktikfuchs Sascha Lewandowski dabei eindeutig für sich entscheiden können.

Viele Coaches der sogenannten Umschalt-Schule stellen gegen den Ball überdurchschnittlich viele Spieler in die vordere Linie ab, um dem Gegner die ersten Pässe im Spielaufbau so schwer wie möglich zu machen. Roger Schmidt, der einst bei RB Salzburg mit Rangnick zusammenarbeitete, erklärte dazu sogar: "Mein erster Gedanke ist: Wie viele Spieler brauche ich vorne, um den Ball zu gewinnen? Erst dann denke ich darüber nach, wie viele Spieler ich hinten brauche."

Auch Rangnick verfolgt diesen ungewöhnlichen Ansatz, wie er gegen Union eindrucksvoll unter Beweis stellte. Der Fußball-Lehrer ließ seine Mannschaft nämlich dauerhaft in einem 4-2-4 verteidigen. Dadurch hatte der Zweitligagigant gegen die Aufbaudreierkette Berlins regelmäßig Überzahl. Über die zwei mittleren Spieler der vorderen Linie konnten die Passwege ins Zentrum auf die für Union so wichtige Doppelsechs versperrt werden. Auch die Flügelverteidiger waren für die Hauptstädter wegen der zwei äußeren Pressingspieler Leipzigs aus der ersten Linie heraus nur schwer anspielbar. Die Folge waren viele ungewollte lange Bälle, die überwiegend verpufften. Über das folgende Umschaltspiel kam RBL dann sogar in die eine oder andere vielversprechende Abschlusssituation, zumal Berlin massive Probleme hatte, schnell und sauber in die Ordnung zurückzufinden. Gerade die Flügel erwiesen sich als deutlicher Schwachpunkt.

Rangnick sprach nach der Partie vom vielleicht besten Defensivspiel seiner Mannschaft in dieser Saison, sagte: "Mit welcher Wucht, mit welcher Synchronität wir angelaufen sind, hat mir gut gefallen." Auch das Verhalten im Ballbesitz wird den 57-Jährigen trotz kleinerer Probleme zufrieden gestimmt haben. Generell war es das Ziel, die Qualität der Offensive um Forsberg, Poulsen und Sabitzer schnellstmöglich einzubinden, nötigenfalls auch über lange Bälle statt mit flachen Druckpässen. Dazu versuchten die Bullen die Defensivschwächen Unions gezielt mit Diagonalbällen anzugreifen. Die Mannen von Lewandowski haben für gewöhnlich Schwierigkeiten, die Außenbahnen abzudecken, weil die Flügelläufer des 3-5-2-Systems sich oft zu hoch positionieren. Leipzig war auffallend häufig darum bemüht, genau dies mit schnellen Verlagerungen zu bespielen, kam auf diese Weise u.a. zum 1:0.

Hie und da wusste der Tabellenführer der zweiten Liga aus den massiven Überladungen keine sinnvollen Folgeaktionen zu kreieren. Die ballfernen Räume wurden nämlich gar nicht oder zu zaghaft besetzt, sodass die Engen vielfach nur per Dribbling aufgelöst werden konnten, nicht durch Pässe in andere Zonen. Generell aber hatte Leipzig wenig Probleme mit Unions Spielweise, nachdem der Mateschitz-Verein in der Vorwoche noch an St. Paulis Abwehrriegel gescheitert war. Der Abstand auf einen Nicht-Aufstiegsplatz beträgt nun bereits elf Punkte. Es müsste tatsächlich schon mit dem Teufel zugehen, sollten die Bullen den Sprung in die Erstklassigkeit nicht schaffen. Die Bundesliga kann sich also schon einmal auf das nächste Pressingmonster freuen, das in der Extremität sicherlich mit Mannschaften wie Bayer Leverkusen mithalten kann. Interessant wird dann, wie der Ostklub sich gegen Gegner schlagen wird, die ihm nach dem Vorbild der Kiezkicker freiwillig die Kontrolle überlassen und sich in ein passives Mittelfeld- oder sogar Abwehrpressing zurückziehen.

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