Labbadia: "Möchte mit flachen Pässen aufbauen"

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HSV-Coach Bruno Labbadia hat sich im Goal.com-Interview u.a. zur Entwicklung seiner Mannschaft und zu seiner Spielphilosophie geäußert.

Bruno Labbadia über...

...die Entwicklung der letzten Monate:

Wir stehen vor allem für Geschlossenheit. Wir leben momentan nicht von der Qualität eines Einzelspielers, sondern von der Qualität des Kollektivs. Die Entwicklung der Mannschaft ist sehr gut an einem Beispiel zu erkennen. Am ersten Spieltag waren wir gegen die Bayern ganz klar unterlegen. Es hätte keinen Sinn gemacht, den Gegner früh zu attackieren. Dazu waren die Spieler noch nicht stabil genug. Nur einige Monate später konnten wir gegen Bayern schon völlig anders auftreten, haben sie teilweise sehr früh unter Druck gesetzt, ohne die defensive Ordnung zu verlieren. Mit ein wenig Glück wäre an diesem Tag sogar mehr drin gewesen.

...seine Philosophie:

Ich bin eher ein Freund eines offensiven und agierenden Stils. Manchmal muss man aber gegen seine eigenen Überzeugungen arbeiten, wenn die Situation es erfordert. Um meinen Stil umsetzen zu können, brauchen wir Stabilität. Und hier sind wir im Vergleich zur Anfangszeit schon einen Schritt weiter. Wir können auch hoch und offensiv verteidigen. Auf diese Art haben wir Dortmund geschlagen.

....Pragmatismus in taktischen Fragen:

Wir müssen hin und wieder einen Schritt zurück machen, um später wieder zwei nach vorn gehen zu können. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von gepflegtem Aufbauspiel mit kurzen Pässen von hinten heraus. Wenn uns in einer bestimmten Phase aus verschiedenen Gründen die Sicherheit fehlt, ist es legitim, mit langen Bällen zu arbeiten. Am Anfang meiner Trainerkarriere war es so gut wie verboten einen langen Ball zu spielen. Heute sehe ich das mit anderen Augen. [...] Es bringt ja nichts, einer Mannschaft einen Stil aufzwingen zu wollen, obwohl sie damit überfordert ist und keinen Erfolg hat. Man muss als Trainer flexibel bleiben und unterschiedliche Strategien entwickeln.

...die Systemfrage:

Grundsätzlich ist ein Spielsystem für mich nicht entscheidend, sondern die Art und Weise wie eine Mannschaft Vorgaben umsetzt. Wenn Sie sich anschauen, dass der Großteil der Konkurrenten auf Ballverluste des Gegners spielt, ist ein zu offensives System ein großes Risiko. Es hängt sowohl von den eigenen Spielern als auch vom Gegner ab, welche Strategie man wählt. Zu Beginn meiner Zeit als Trainer habe ich mich klar auf ein Spielsystem mit einer Viererkette festgelegt, in der Ausbildung aber nie mit einer Viererkette trainiert. Ich musste mir also viel Stoff aus Büchern und Videos aneignen. Die heutige Trainerausbildung umfasst ein viel größeres Spektrum an Taktiken und Spielsystemen als noch vor 15 oder 20 Jahren.

...seine Wechsel-Strategie während des Spiels:

Das hängt von vielen Faktoren ab. Welche Alternativen haben wir? Wie haben sich die Spieler auf der Bank im Training präsentiert? Wie ist der Verlauf? Daher ist das sehr individuell zu betrachten. Um Ihnen ein Beispiel zu nennen, was verdeutlicht, wie schwierig es als Trainer manchmal sein kann: Ich hatte mal einen Spieler, für den ich mir auf der Bank immer einen aufsparen musste, weil er irgendwann plötzlich die Hand gehoben hat und raus wollte. Das kann ich in der Öffentlichkeit aber nicht thematisieren. Und erst recht nicht jede Entscheidung bis ins Detail erklären. Mitunter zum Schutz meiner Spieler.

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